The Miserable RichMiss You In The Days
VÖ: 04.11.2011 // Hazelwood Vinyl Plastics

Ein durchaus charmanter Einfall, eine neue Platte an Halloween (bei uns hat sich der Termin natürlich ein wenig verschoben, weil hier ja - warum auch immer - Freitag der „Musiktag“ ist) herauszubringen - vor allem, wenn sich die Songs darauf um Geister und Übernatürliches drehen. Billiger Gruselquatsch liegt den Herren von The Miserable Rich allerdings trotz des gewählten Veröffentlichungstermins und des Roten Fadens, der sich durch „Miss You In The Days“ zieht, fern. Ein wenig britische Eleganz durfte es ja schon immer sein beim Kammerpop-Orchester aus Brighton und der im wohlbekannten Spukhaus Blickling Hall (in dem, so erzählt man sich, der Geist der enthaupteten Anne Boleyn umgehen soll) aufgenommene dritte Longplayer von James de Malplaquet und Co. setzt dem ganzen nun die Krone auf.
Bisher bestand bei The Miserable Rich immer ein deutlicher Unterschied zwischen den seit jeher grandiosen Konzerten und den zwar stets sehr guten, aber eben nicht ganz so famosen Alben, deren stärkere und schwächere Stücke beinahe Welten trennten. Mit „Miss You In The Days“ ist nun aber alles ganz anders: Schon ab dem hervorragenden Opener „Laid Up In Lavender“, der die gruselige Grundstimmung gekonnt einführt und dem herrlichen Timbre in James de Malplaquets Stimme viel Raum gibt, macht die Platte einen durchdachten, wohlgesetzten Eindruck. Ein erster Eindruck, an dem sich bis zum Ende nichts mehr ändern will. Die Streicherarrangements wirken diesmal klassischer und noch filigraner als bisher, alle Songs bewegen sich qualitativ auf einem ähnlich hohen Niveau und der erst vor Kurzem zur Band gestoßene Schlagzeuger David Schlechtriemen macht den Sound von The Miserable Rich noch um einiges variabler.
Als Ganzes gesehen ist „Miss You In The Days“ so homogen geraten, dass sich nur äußerst schwer absolute Höhepunkte ausmachen lassen. Das trotz des schwermütigen Inhalts erstaunlich leichtgängige „On A Certain Night“, das verspielte „Tramps“ und das von Spukhausgeräuschen durchzogene „Pillion“ gehören aber sicher zu den besten Momenten des Albums. Unbestrittenes Glanzlicht ist allerdings die wundervolle Ballade „Ringing The Changes“, eine knapp sechsminütige Ode an die Vergänglichkeit: „Dance, my friends / Dance and cheer through the night / While we still have the chance, still have the appetite / For laughing together through all kinds of weather“.
Eine schlechte Platte haben The Miserable Rich noch nie gemacht, aber „Miss You In The Days“ übertrifft die Vorgänger gleich um einige Klassen. Nicht nur das bisher stärkste Album der Engländer, sondern auch eines der besten dieses Jahres überhaupt.
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Ann-Kristin am 04.11.2011 um 09:31 UHR
feine platte. unangefochten. aber: die filigranen streicher sollten ganz kräftig an ihrer intonation arbeiten. z.b. "true love" bereitet böse gänsehaut- und nicht wegen gruseliger stimmung.