Sigur RósInni
VÖ: 04.11.2011 // Pias

Kryptische Schwarzweiß-Momente geistern seit August durchs Netz. „Inni“, ein kommentarlos veröffentlichtes Lebenszeichen von Sigur Rós, entfachte Verwirrung, gefolgt von wildesten Spekulationen. Und Freude. Drei Jahre nach ihrem fünften Studioalbum "Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust" endlich wieder ein Lichtblick. Aber was genau leuchtete denn da?
Die isländische Band, die wie keine andere Rockmusik und orchestralen Irrsinn zu sphärisch-perkussiver Zukunftsmusik zu verschmelzen vermag kleidete sich gewandt in Unerklärlichkeit: Was sich hinter „Inni“ verbergen würde, war lange Zeit unbekannt. Bis jetzt.
Ein Doppel-Livealbum und die zweite Band-DVD von Sigur Rós retten ihre (vorerst) letzten Shows in Londons Alexandra Palace 2008 in die Ewigkeit. Alle Mysterien der Band inklusive: Die selbsterdichte Sigur Rós-Sprache Vonlenska (etwa in „Festival“), die utopische Symbiose eines mit Drumstick geschlagenen Basses („Hafssól „) und einer E-Gitarre, die durch Chellobogenstriche singt.
Abgesehen von der großartigen Musik in 15 Live-Tracks ist der filmische Konzertmitschnitt durch aufwendig-avantgardistische Postproduktion ein cineastisches Wunderwerk. Aufgezeichnet digital in HD, umgewandelt in ein 16mm-Schmalfilmformat, erstmals auf Leinwand zum Leben erweckt und erneut abgefilmt: Generationen von Modifikation lassen die Details der Bilder in den Hintergrund treten. Gesten und Kompositionen erscheinen beinahe abstrakt. Pur und doch verschleiert.
Apropos Kino: Einige ausgewählte dieser Art zeigen den Film, der Anfang September beim diesjährigen Filmfestival in Venedig Premiere feierte, im Rahmen einer Inni-Screening-Tour. „In the end though, what we wanted was to translate the intensity and immense beauty of the SigurRós live experience.”, so Regisseur Vincent Morisset (Arcade Fire's “Miroir Noir”). Etwas pathetisch wirkt die Inszenierung zwar, jedoch passgenau abgestimmt auf die Bühnenpäsenz und bewusste Imperfektion der Isländer.
„Inni“ bedeutet auf deutsch so viel wie „drinnen“. Ob Abschiedsgruß, Reminiszenz oder – Zukunftsblick – dieses Werk ist visuell und auditiv so nah an Sigur Rós wie möglich. Beinahe schon eine Innenansicht.
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