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Justice - Audio,Video,Disco.
 
 

JusticeAudio,Video,Disco.

 

rock ist tot, doch die idee des dazugehörigen lifestyles lebt weiter. nicht zu knapp wird die rockstargeste heute von justice in all ihren klischees zelebriert – und das, obwohl die beiden franzosen ja nicht einmal instrumente spielen, sondern ihre laptops bedienen.

an eben jener schnittstelle ackert sich justices zweitwerk 'audio, video, disco' ab. obwohl der grundtenor elektronischer musik zuzurechnen ist, weichen xavier de rosnay und gaspard augé den agressiven durchbruchsstil ihres debuts zugunsten poppigerer arrangements auf. und wo die manierismen von black sabbath oder queen im auftreten der zwei soundtüftler überpräsent waren, schlägt sich nun das genre des 70er-rocks wirklich in den elf stücken nieder. um nicht gar zu sagen: justice spielen den prog- und classic-rock vergangener dekaden durch ihre synthesizer und drummachines.

'canon' beispielsweise rifft sich breitbeinig durch dreieinhalb minuten, nur um immer wieder vor dem inneren auge die bühnenpräsenz einer echten band aufblitzen zu lassen. das schlagzeug gibt den ton an, unterbricht das fortlaufende stück für gemeinsame unisono-steigerungsmomente aller instrumente, um raum für tonleiterkaskaden à la rick wakeman zu geben. hier wird einmal mehr klar: punk rock entstand ende der siebziger als gegenbewegung zum masturbatorischen ergötzen an übereifrigem gefrickel, das technisch zwar anspruchsvoll, aber irgendwann seelenlos wurde. seitdem hat sich die popmusik zu gutem recht vor übermäßiger intellektualität gehütet – justice beschwören dieses gefrickel auf ihrem zweitwerk aber mehr denn je. fast jedes stück auf 'audio, video, disco' präsentiert früher oder später ein gitarrensolo, das dann auch noch harmonisch und modulatorisch anspruchsvoll und möglichst pompös sein soll.

man fühlt sich zwar nicht ganz so abgestoßen wie bei 8 bit-game boy coverversionen großer hits, aber wo diese noch amüsant und ironisch sind, klingen justice einfach nur unecht. das feeling einer liveband lässt sich eben nicht am computer reproduzieren, und eine rockband wird nie elektronische musik authentisch spielen können. somit ist das ergebnis ein stilmischmasch, der zwischen den stühlen sitzt und niemanden so richtig glücklich macht.

aber halt: justice sind doch bekannt für ihre hits! nach einem zweiten d.a.n.c.e. oder 'we are your friends' sucht man leider vergebens, nur 'on'n'on' wartet mit einer ziemlich klebrigen gesangsmelodie auf, die sich gerne einmal für länger beim hörer verheddert. bedingungslos mitreißend wie die besten momente von 'cross symbol' ist hier aber leider nichts – 'audio, video, disco' ist mehr kopfgeburt als bewusstseinslose ekstase.

jakob
 

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