Tonia ReehBoykiller
VÖ: 23.09.2011 // Clouds Hill Records Ltd.

Tonia Reeh hat in ihrem bisherigen Werdegang ganz schmerzfrei die Grenzen der Hörbarkeit ausgelotet. Als Monotekktoni verzerrt sie, in komische Kostüme gekleidet, elektronische Sounds, Störgeräusche und furchtbares Gepiepse zu bizarren Noise-Skulpuren, mit ihrer Band Masonne (die frühr den schönen Namen "Das zuckende Vakuum" hatte) macht sie wütende, schmutzige Noise-Rock.Musik, die sich anhört, als ob PJ Harvey und Sonic Youth zusammen Ritualmorde begehen würden. Tonia Reeh hat fordernde, und unglaublich anstrengende Musik gemacht, die aber auch durchzogen ist von Melancholie, Seltsamkeit und verschrobener Eleganz, trotzdem aber nie ein breites Publikum erreichen wird.
Auf ihrem ersten unter ihrem richtigen Namen veröffentlichten Album bedient sich Tonia Reeh ganz klassischen Mitteln - Sie spielt ganz akustisch, analog und ohne Firlefanz Klavier und singt dazu, ganz selten spielt noch ein Schlagzeug mit. Trotz des konservativen Instrumentariums ist "Boykiller" ein wunderbar sonderbares Album geworden. Tonia Reeh singt mit einer unfassbaren Dringlichkeit in der Stimme, ist zu jedem Moment aufrührend, klagend, protestierend und höchst emotional, dabei doch ganz in der Dynamik der klassischen Musik verstrickt. Auch das Klavierspiel ist eigenartig: Tonia Reehs Tastenanschläge sind unbarmherzig hart, trotzdem ist das Spiel fließend und harmonisch. Auch die Texte passen hervorragend in dieses schwer zu begreifende Spannungsfeld zwischen Expressionismus und Romantik, Tonia Reeh singt über Zugvögel, die ziellos, aber durch ihre Instinkte dazu gezwungen sind, ihre Wege zu fliegen, sie singt darüber, ein Monster zu sein, vom Hass auf die Unterhaltungsindustrie und von allerlei zwischenmenschlichen Zerwürfnissen, alles mit klarer und deutlicher Stimme und der nötigen Härte, alles in traditioneller Harmonie. Gnadenlosigkeit und Schönheit, Postmoderne, Protestsong, Pop und Klagelied verfließen zu homogenen Songs, die jenseits irgendeiner Referenz liegen.
Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.
Oliver am 03.11.2011 um 14:27 UHR
verdammt wie geil ist dieses album !?!?!?!?! heureka!
DANKE fürs drauf stoßen.