Like A StuntmanYOY
VÖ: 21.10.2011 // Bureau B

Irgendwie ist die Geschichte rund um das erste Album von Like A Stuntman ja schon bezeichnend. Nicht hierzulande, sondern in Großbritannien wurde das Debut der gebürtigen Frankfurter zunächst veröffentlicht. Nicht, dass es in Deutschland keine guten Bands gäbe, aber so richtig passten die leidenschaftlichen Bastler mit ihrem experimentierfreudigen Sound schon damals nicht in die hiesige Musiklandschaft. Nach einem hervorragenden zweiten Langspieler legen Like A Stuntman mit „YOY“ jetzt ihr Meisterstück vor - und heben sich deutlicher denn je vom grauen Indiepop-Allerlei ab.
Mit „Symptoms Of The Ocular“ eröffnet genau das richtige Stück die Platte, schließlich ist es ein großartiges Beispiel für die Experimentierfreudigkeit des Quartetts. Und doch ist es nur das Vorspiel zu phantastischen Ohrwürmern Namens „Yesterday Euphoria“, „Hell No“ oder „Boy Campaign“, die sich anschließend wie ein riesiger Klangteppich aus den Boxen kriechen. Erstaunlich, wie man mit eher zurückgenommenen Lo-Fi Sound und viel Freude am Gefrickel eine solche Sogwirkung erzeugen kann. Den Unterschied zu anderen Bands macht die Detailbesessenheit, mit der die Hamburger zu Werke gehen. Man hört förmlich, wie an jedem einzelnen Song hart gearbeitet wurde, wie oft alles umarrangiert, neu zusammengesetzt, verworfen und wieder aus der Schublade geholt wurde. Das Ergebnis sind einige mit Effekten, Instrumenten und Spielereien vollkommen überfrachtete Stücke, die zunächst viel zu überambitioniert klingen, aber letzten Endes doch alle Zünden und sich hervorragend ins große Ganze fügen. Auch die schwer zugänglichen Stücke wie Sentimental Education oder „Sport“, „Ooze Yeah Ooze“ haben so ihren Platz auf „YOY“. Referenzen sucht man eigentlich vergeblich, man bekommt als Hörer wirklich den ungewohnten, schönen Eindruck, etwas nicht schon zehnmal Durchgekautes vorgesetzt zu bekommen.
Die zehn Songs klingen nicht nach Frankfurt oder Hamburg, wo Like A Stuntman ihre Wohnsitze haben. Sie klingen nach großer Welt, nach New York und mittlerem Westen. Und vor allem, das ist viel wichtiger, klingen sie großartig. Eine Platte, die man nicht mehr aus dem Player nehmen mag.
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