Tim KasherBigamy: More Songs From The Monogamy Sessions
VÖ: 30.09.2011 // Affairs Of The Heart

extended player, besser bekannt als eps, sind schon ein spannendes format. oft genug dient es künstlern als spielwiese, auf der sie sich, abseits der üblichen restriktionen von alben wie geschlossenheit oder verkäuflichkeit, einfach austoben können. auch tim kasher, der waidwunde frontmann von cursive und the good life, präsentiert sich auf seinem aktuellen release bigamy: more songs from the monogamy sessions um einiges enthemmter als noch auf seinem letztjährigen soloalbum. denn auch, wenn man the game of monogamy sicher nicht als gleichförmig und durchweg homogen bezeichnen kann, ist der kleinformatige follow-up doch um einiges rauer und direkter geraten.
das liegt zunächst einmal an der produktion, der man über weite strecken die teuren tonstudios, in denen die aufnahmen entstanden sind, nicht anhört. deshalb wirkt bigamy über weite strecken auch so, als würde kasher dem hörer seine bitteren texte direkt ins ohr schreien, und jeder kasher-aficionado weiß: schreien und leiden kann der mann wie kein zweiter. vom zerzausten, programmatisch betitelten opener no harmony bis zum apokalyptischen azure-ray-cover trees keep growing macht sich der sänger nicht die mühe, seinen vortrag zu mäßigen oder eher poppigen hörerwartungen anzupassen - und das klingt erwartungsgemäß wundervoll.
fast meint man, kashers angstschweiß riechen zu können - das älterwerden und die damit einhergehenden gesellschaftlichen zwänge sind erneut das zentrale thema, und kasher singt mit dem mut der verzweiflung dagegen an. ein bisschen erinnert das an die frühphase dessen, was zu beginn des milleniums als omaha-sound beschrieben wurde, an ruppige, unbequeme und wahrhaftige alben von bright eyes, den desaparecidos oder eben cursive und the good life.
bigamy bietet also mehr kasher denn je: mehr verweifelt-dissonanten klagegesang, mehr nabelschau, mehr in-your-face-songwriting. nur zu kurz ist die platte ausgefallen - das ist eben der nachteil an eps. nachschlag gibt es immerhin, denn der gute mann kommt im dezember auf tour, und das sollte man nun wirklich gesehen haben!
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