AB SyndromAlles Deins

von Maximilian Römer · 02.09.2012



Die Sozialpsychologie geht davon aus, dass sich Niemand von Stereotypen oder einem stereotypen Denken frei machen kann. Es dient dazu die komplexe Welt zu ordnen, zu kategorisieren und anhand dieser Kategorien zu agieren. Und so funktioniert das auch mit dem Album von AB Syndrom. Ein paar Hinweisreize reichen aus und sofort öffnen sich – wohl nicht nur bei mir – eingängige Schubladen im Kopf. Und wer aufmerksam durch das Leben streift und seine Schubladen immer wieder gründlich ordnet und ausreichend reflektiert, der wird dafür entlohnt. Denn die Sozialpsychologie geht auch davon aus, dass es nicht nur fälschliche Stereotypen gibt. Und manchmal wie im Fall von AB Syndrom trifft dann all das zu, was der erste Eindruck dem Hörer oder eben auch Reviewer suggeriert.

Die Hinweisreize: Zwei junge, hagere Jungenkörper, mit lockigem Undercut, geometrische Formen, einschlägige Typografie. Die Keywords des Pressetextes: Berlin, zu viel Freizeit und Kreativität. Auf dem Album: Elektronische Musik mit deutsch-englischen Texten. Wie das Gesamtwerk des jungen Berliner Duos (20 und 22 Jahre sind die beiden Brüder) klingt? Wie vermutet. Wie das, dass seit gut einem halben Jahr in den Indietronic-Charts herumschwirrt und sich vom wilden Technogestampfe hin zum ambient-lastigen Sound entwickelt. Wie das, was eben diejenigen hören, die in den Metropolen der Republik ein Dasein mit zu viel Freizeit fristen und kreativen Output stiften, bevor die basalen Ideologien wie Kreativität oder Innovation eben durchdacht wurden.

Keine Frage, dass hier zwei jungen Musiker ein Album eigenständig produziert haben ist etwas was man würdigen kann und auch die Qualität der Produktion erreicht auf dem Debüt ein professionelles Niveau. Jedoch erscheinen die resignierten Texte einer Generation ohne Antrieb und die schleppenden Beats eben nicht kreativ, sondern wie die Kopie, einer Kopie einer Kopie. Das mag vielen gefallen, ich habe das allerdings alles schon zu oft gehört. Schade.

VÖ: 03.09.2012, Herr Direktor

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