JD McPhersonSigns & Signifiers

von Leonie Jordan · 25.08.2012



"He ain´t nothing but a country boy. And he´s crazy ´bout the north side girls." Verrückt ist: All diese Rock´n´Roll-Floskeln nimmt man dem guten JD McPherson ab. Das Album mag sein Debüt sein, es könnte aber auch als Best-Of herhalten.

Beim ersten Hören vermutet man ausschließlich „Hardcore“- Rockabilly, Hillbilly, Rock´n´Roll und Soul als den Stoff, aus dem die zwölf Titel gemacht sind. Wenn man nun aber die einzelnen Schichten aufblättert, erkennt man Referenzen auf eine ganze Menge weiterer, teilweise wesentlich zeitgenössischere Stile. Das bereits eingangs erwähnte „Country Boy“ nimmt sich nicht nur den Tambourin-Beat der 1955-Atlantic-Single »Mama, He Treats Your Daughter Mean« von Ruth Brown zur Hilfe, sondern verarbeitet zudem die Piano-Loops des 1993er Hip-Hop-Meilensteins »Enter The Wu-Tang« des Wu-Tang Clans. An anderer Stelle steht der Smiths-Klassiker »How Soon Is Now« Pate für die Tremolo-Gitarren des Titelsongs. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Die lange Liste solcher musikalischen Spielereien bewirbt nicht nur J.D.s Fingerfertigkeit und Kreativität beim Musikschreiben, sondern auch die Bandbreite von Einflüssen, die er hatte. Sein Vater zeigte ihm schon früh den Delta-Blues und den Jazz. Daraufhin widmete sich der Musiker den großen Rockstars wie Jimi Hendrix und Led Zeppelin, war dann im Highschool-Alter heiß auf Punkrock, und schließlich wegweisend geflasht von einem Buddy-Holly-Box-Set.

Ursprünglich ist J.D. bildender Künstler, der sein Studium im experimentellen Film begann und schließlich Kunstlehrer wurde. Musik machte er nebenher und in allen möglichen Bands. Bis er seinem heutigen Produzenten Jimmy Sutton per Myspace ein paar Stücke schickte. Die beiden passionierten Fans alter Roots-Musik fanden sich kurz daraufhin in Suttons kurz zuvor fertiggestelltem Heimstudio in Chicago wieder, welches mit seiner Röhrentechnik, den Vintage-Mikros und einer 60er-Jahre-Bandmaschine prädestiniert dafür ist, eine solch authentische Retro-Platte zu produzieren. Das Album wurde zunächst auf Suttons Hi-Style Label für das potenzielle Kernpublikum in einer limitierten Auflage veröffentlicht. Dann klopften die Majors an und schon hatte J.D. einen Deal mit dem Universal-Sublabel Rounder.

Wenn J.D. McPherson über „sein“ Genre spricht, hegt er keinen Zweifel daran, dass diese Art der Musik verstanden und gewertschätzt wird. Insbesondere in Amerika: „Swingendes Blues-Zeugs zu verstehen ist in amerikanischen Gehirnen einfach fest verwurzelt. Es überrascht mich also nicht, dass die Kids jetzt auf die Black Keys und Adele stehen.“ Diese kleine Außerachtlassung ignorieren wir großherzig; dem Drive seiner Musik sind höchstwahrscheinlich Menschen aller Nationen verfallen. Bezüglich seines Métierwechsels kann er durchaus zufrieden sein: „So viel Befriedigung wie jetzt habe ich noch nie aus etwas gezogen. Denn so sehr ich auch einen wie Joseph Beuys liebe – David Bowie und Little Richard liebe ich halt noch ein bisschen mehr.“

VÖ: 10.08.2012, Rounder

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