TerranovaNightporter

von Jakob Siedlecki · 14.08.2012
Terranova

wo house nach ekstatisch durchgefeierter nacht morgens den noch schlafenden pop wachküsst, da reichen sich die beiden produzenten fetisch und &me die hände. ihr diesjähriges album »hotel amour« vermählte peitschende drums und infizierenden groove mit feingliedrigen melodien, die auch den größten skeptiker der elektronischen tanzmusik kapitulieren ließen.

»hotel amour« brachte die musik der stickigen, düsteren tanzflächen ans tageslicht und ins radio; »nightporter« macht nun den schritt in die entgegengesetzte richtung. namhafte produzenten und djs wie der brasilianische gui boratto oder deutsche dancefloorhelden wie rampa und till von sein infundieren den originalen gehörigen wumms.



den anfang macht gui boratto mit »prayer«. im original ein cello- und klavierlastiger stampfer, über den udo kier dahincroonen darf, kommt die düstere stimmung boratto gelegen, der auch gerne in seinen eigenen produktionen dem drama nachspürt. gitarrenarpeggi und eine fast britpoppige akkordprogression lassen vollkommen vergessen, dass die vocals von nicolette krebitz eigentlich einem anderen stück entstammen.

tiefschwarz verlegen »boogie for the dollar« in eine psychedelische traumlandschaft, in der atonale klaviertöne von der decke tropfen und halluzinogene klangflächen wie nebel durchs bild wabern. santé hält es da ähnlich und macht »so strong« zu einem hypnotischen groover.

des heimlichen hits von »hotel amour«, »question mark« mit tomas hoffding von whomadewho, nehmen sich adam port und der bulgare kink an. einen richtig schönen rise mit verstimmtem klavier und romantischen vocals baut letzerer ein, während ersterer schon zu beginn des jahres mit seinem harten remix die tanzflächen deutschlands und der welt in wallung geraten ließ. und rampa beschleunigt den titeltrack ganz sachte, ohne ihn seines bezaubernden kaffehaus-flaires zu berauben – massiver beat als anker, emporhebende streicher: man möchte nur noch blauen himmel und hunderte leute um sich herum tanzen sehen.



während also die nicht-deutschen produzenten eher der melodie und dem drama nachspüren, neu harmonisieren und verspielt arrangieren, merkt man den deutschen beteiligten an, dass die tradition und lesart des techno selbst in der heute so von deep house dominierte elektronischen musiklandschaft weiterlebt. das macht »nightporter« besonders interessant für djs und freunde des heim-clubs (wieso sollte es das nicht geben, wenn es auch heim-kino gibt?); doch wer für die open airs dieses sommers vorbereitet sein und ihre hits kennen will, sollte sich die 13 stücke zu gemüte führen. gejubelt wird im club dann dopppelt.

VÖ: 30.07.2012, Kompakt

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