Dirty ProjectorsSwing Lo Magellan

von Christian Heerdt · 26.07.2012
Dirty Projectors

nach »rise above« (2007) und »bitte orca« (2009) liegt jetzt mit »swing lo magellan« das sechste studioalbum der dirty projectors vor. das cover zeigt sänger, gitarrist, komponist, produzent und bandleader david longstreth und gitarrenspielerin und chanteuse amber coffmann mit einem passanten quatschend im nördlichen umland new yorks. auf dem bild ist nicht die ganze band anwesend, angel deradoorian fehlt auf der platte komplett. das label sagt, sie nehme eine auszeit, habe die band aber nicht verlassen. das hoffe ich doch!

das anfangsstück »offspring are blank« fängt in alter manier mit hms und uhs im chor an, darüber dann longstreth's gewohnte stimme. was ich aus den vorgänger-alben gewohnt bin, wird hier nicht so richtig fortgesetzt. es fehlen diese gesangsexplosionen, die es bei stücken wie »cannibal resource« zu hören gibt. das weibliche lager kommt allgemein zu kurz. deswegen ist »the socialites«, auf dem amber coffman glasklar über ein schräges schlagzeug und eine angecrunchte gitarre, die nach verzerrter spieluhr klingt, singt, ein augenmerk: süß. auch longstreth klingt ab und an süß. aber eben auf seine art und weise.

die instrumentenauswahl ist so wie man das von dem new yorker kollektiv gewohnt ist. ab und an deutet sich bei den gitarren ein ringmodulatoresker effekt an, etwa bei »about to die«. beachtet man aber dave longstreth's haltung gegen jede art von synthesizern, so wird es sicherlich etwas anderes sein, das den sound verdreht. das ein oder andere stück blüht durch minimalistischen sound richtig auf. »swing lo magellan« ist hierfür ein paradebeispiel. ansonsten sind die gitarren oft matschig und gedämpft, das typische dirty projectors-picking wird trotzdem nicht vergessen, beispielsweise auf dem titel »just from chevron« gitarren im stil von »temecula sunrise«. streicher unterstreichen sanft »see what she seeing«, »impregnable question« besticht durch ein von der soundqualität leicht in daniel johnston-gefilde abtauchendes klavier, »irresponsible tune« birgt einen sehr schleppenden kontrabass zum ende der platte. die bassarbeit im allgemeinen ist recht unspektakulär. nichts, das im entferntesten an tolle linien à la »remade horizon« ankommt.

ein bass braucht auch drums. passend ist es, das kann man sagen. unglaublich frei, wild und losgelöst jedoch nur selten. ein paar mal wird das tempo mit einer fiery furnaces-handschrift gewechselt. der altbekannte hang zur polyrhythmik wird trotz seiner präsenz, etwa auf »the socialites«, sehr wenig ausgelebt. total auffällig ist der einsatz des klatschens. nahezu jedes stück wird von zusammenhauenden handflächen unterstützt. durchaus interessant.



das album brachte das video zum track »gun has no trigger« hervor. schöne bewegte bilder, die die politisch-kritische frage nach dem zeitgenössischen gesellschaftlichen exodus im mischlook alter ipod-werbungen und facebook-ästhetik untermalen. außerdem wurde von david longstreth ein weiteres video angekündigt. der kurzfilm »hi custodian« soll bald eine spirituelle reise zwischen leben und tod visualisieren. sieben songs von »swing lo magellan« seien im film wiederzufinden.

mein fazit zu »swing lo magellan« fällt überraschenderweise weniger negativ aus als man es erwarten mag. die dirty projectors haben hier eine überraschung aufgenommen. die form, in der dies geschehen ist, ist wahrscheinlich eine weitere stufe des unerwarteten – bestimmt aber nicht intendiert. longstreth setzt um, was er umsetzen wollte: eine sammlung unterschiedlichster lieder, die nicht wie die vorgänger in einem gesamtzusammenhang stehen, sondern persönlich sind. die stücke sind einfacher als sonst, aber das macht sie nicht einfacher zu hören.

VÖ: 06.07.2012, Domino Records

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