Olli Schulz
18.03.2008 · Erlangen | E-Werk
Bis zum Beginn der Show hält sich das hartnäckige Gerücht, Olli Schulz würde an diesem Abend vornehmlich aus seinem im September erscheinenden Buch lesen. Auch die Veranstalter scheinen nicht zu wissen, dass dem nicht so ist. Anders ist wohl nicht zu erklären, warum ein Großteil des Saales mit bei längerer Sitzdauer doch recht unbequemen Holzstühlen bestückt ist.
Dieses kleine Manko tut der guten bis ausgelassenen Stimmung im Publikum jedoch keinen Abbruch. Olli Schulz überzeugt einmal mehr mit seiner äußerst amüsanten Mischung aus Musik und Entertainment, die - vielleicht abgesehen vom etwas subtileren Bernd Begemann - kaum ein Zweiter so perfekt hinbekommt. Es hat den Anschein, als würde der Hamburger ständig an seinen unzähligen Anekdoten feilen, denn selbst altbekannte Geschichten überraschen zuweilen mit völlig neuen Details und Pointen. Auch ist der begnadete Improvisator Olli Schulz - wie er selbst immer wieder betont - „Profi genug“ um sogar unerwartete Situationen wie den totalen Zusammenbruch der Technik gekonnt und ohne peinliche Pausen zu meistern.
Mit der New Yorker Post-Hardcore-Legende Walter Schreifels steht Olli Schulz ein sympathischer, cleverer und humorvoller Partner zur Seite. Als Sidekick funktioniert der mittlerweile in Berlin lebende Amerikaner wesentlich besser als etwa der Maritime-Frontmann Davey von Bohlen, der Schulz vor zwei Jahren auf seiner Akustik-Tour begleitete. Trotz seiner bald 40 Jahre kann sich Walter Schreifels wie ein kleiner Junge auf sehr charmante Art und Weise über skurrile deutsche Wörter wie „manchmal“, das er für eine Zwischenmahlzeit hält, oder die Frisur des Sängers der österreichischen Band Opus, die er auf YouTube entdeckt hat, freuen. Selbstredend überzeugt der ehemalige Songwriter der Gorilla Biscuits auch musikalisch auf voller Linie. Mit „Audrey“ vom großartigen Walking-Concert-Album „Run To Be Born“ steuert Walter Schreifels schließlich auch den beste Song des gesamten Konzerts bei.
Was viele Zuschauer jedoch vor lauter Lachen wohl gar nicht bemerkt haben, ist die Tatsache, dass Olli Schulz gerade dann am allerbesten ist, wenn er mal nicht den Entertainer gibt und sich von einer ernsteren Seite zeigt. Lustig sind viele, aber nur wenigen gelingt es so lässig und spielerisch wie Schulz, wunderschöne, nachdenklich-melancholische Songs wie „Rückspiegel“ oder „Elefanten“ aus dem Ärmel zu schütteln. Es ist deshalb auch ein wenig schade, dass gerade „Warten auf den Bumerang“, das mit Abstand beste der drei Alben von Olli Schulz & Der Hund Marie, deutlich zu kurz kommt. Ein paar Anekdoten weniger und dafür Stücke wie „Unsichtbarer Vogel“, „Armer Vater“ oder „Medizin“ - darüber hätte sich zumindest der Schreiber dieser Zeilen sehr gefreut.
weitere infos zum künstler: www.ollischulz.com
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