Karamel28.02.2008 // Bonn – Mausefalle
Johann Scheerer Sänger und Texter der Band “Karamel“ ist kein Musiker, der beiläufig seine Kompositionen mit Texten untersetzt. Er ist ein Poet, dem beiläufig eine Gitarre in die Hand gedrückt wurde. Befindlichkeitsmusik für Menschen, die zuhören wollen, anstatt berieselt zu werden. Geschichten zum Mitfühlen und verstehen, anstatt sie mitzusingen.
Und so entwickelte sich ihr Auftritt in der Bonner Mausefalle leider zu einer halbschweren Katastrophe.
Die verwinkelte, urige und sehr enge Kneipe scheint nicht für Konzerte gemacht zu sein. Eine kleine Bühne ist in eine hintere Nische der Mausefalle eingezimmert worden. Zwei Fernseher übertragen die Aufnahmen einer Kamera vor der Bühne, um auch den Besuchern in den hinteren Ecken visuelle Eindrücke zu ermöglichen. Auch ist die Kneipe heute nicht deutlich stärker besucht, als zu normalen Abenden des Trunks und der Konversation.
Als Support dient an diesem Abend das Bonner Duo “So Anyway“, das bei den rund zehn bewusst aufmerksamen Zuschauern, zum Großteil wohl Freunde der Band, mit seinen akkustischen, deutschsprachigen Arrangements noch erheblich mehr Applaus ernten kann, als die drei Hamburger. Diese beginnen nach einer kurzen Pause ihren Auftritt und müssen fortwährend mit sich lichtenden Reihen im “Publikum“ kämpfen.
Der Lautstärkepegel ist unangenehm hoch, als Johann Scheerer mit seiner zweiköpfigen Band die ersten Töne anstimmt. Drei Kneipenbesucher, wohl an der Musik nicht im geringsten interessiert, lästern lauthals über „dicke, nein wirklich fette Menschen“, während “Karamel“ mit geschlossenen Augen von Sehnsucht und Trauer singen. Für die musikalischen Feinheiten sorgt Gitarrist Sebastian Nagel, der mit einem ganzen Teppich voller Gitarreneffekte einen stimmungsvollen Klanghintergrund zaubert, der leider nicht selten durch die schlechte Akkustik in der Mausefalle zu zerfahren wirkt. Auch würden Johanns Ausbrüche bei Songs wie “Gleichgewicht“ und “Tag“, die er einem dezenten Schlagzeug entgegenschreit, zu passendem Ambiente für Meterdicke Gänsehaut sorgen, führen an diesem Abend allerdings blos zu schiefen Blicken bei vielen der verbliebenen fünf Zuschauer.
Aus einer anderen Ecke der Kneipe schallt inbrünstig: „Du bist perfekt, makellos. Du bist besser als gut!“. Das haben “Karamel“ nun auch nicht verdient! Die passende Stimmung will sich während ihres Auftrittes nie hinreichend einstellen und so erreichen Karamel ihre Empathie weniger durch ihre lyrisch melancholischen Geschichten, als duch Mitleid. Was die drei Hamburger brauchen, das sind mehr Fans, ein passendes Ambiente und vor allem eins: Stille und Aufmerksamkeit. „Unser Ziel ist es ja eigentlich, deprimierende Gefühle zu erwecken.“, scherzt Johann, und stimmt ein fröhlicheres Lied an. Doch Gründe zur Deprimiertheit, die gab es an diesem Abend leider zuhauf.
Ein Kommentar
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herrmario am 25.03.2008 um 19:26 UHR
sag mal johann ...
das kenne ich doch irgendwo her. hab die netten jungs im irish pub in wesel erleben dürfen, im irish pub in wesel, hehe, wer besorgt denen eigentlich die konzerte, ein kasperle?? das ging leider auch mächtig in die Hose. Nach drei LIedern meinte der Kneipenwirt, die band sollte doch etwas leiser spielen, weil sich die leute unterhalten wollen, rocknroll, yeah. nach einem weiteren lied haben karamel dann die sachen gepackt, hm.
Am tag darauf, in duisburg, lief es dann schon viel besser das publikum wollte ne zugabe und bekam sie auch. und die karamels waren sichtlich erleichtert.
die "schafft eisland" cd ist schon eine der wichtigen deutschsprachigen alben des letzten jahres. es ist traurig zu hören, dass sich konzerte wie im irish pub öfter mal zu wiederholen scheinen.
als vorband für ne tolle hauptband mit tollem sound und dem richtigen publikum, sowas könnte ich mir vorstellen. ich weiss, das will jeder, aber karamel habens verdient.