Christian Kjellvander27.02.2008 // Erlangen – E-Werk
Es gibt so einige Dinge, die den Konzertgenuss schmälern können: Gelangweilte Musiker, unfähige Tonmenschen, schlechte Akustik und so weiter. All das ist zwar ärgerlich, aber nicht so schlimm wie ein extrem seltsames Publikum, das alleine durch sein Verhalten ein an sich großartiges Konzert zerstört.
Ein Großteil der Zuschauer hatte es sich auf den Stühlen weit hinten im Saal bequem gemacht, so dass beim Auftritt von Boy Omega – diesmal als Duo unterwegs - vor der Bühne ein großes Loch klafft und das E-Werk trotz recht guter Besuchszahlen seltsam leer aussieht. Eine gute Atmosphäre schafft das selbstredend nicht. Allerdings wäre das noch zu verkraften, wenn nicht von den hinteren Rängen ein nicht gerade leises Murmeln zu hören wäre. Vor allem die leiseren Momente im großartigen Set von Boy Omega, das vornehmlich aus Songs des aktuellen Albums „Hope on the Horizon“ besteht, kommen gegen das permanente Störgeräusch nicht an. Martin Gustafsson und sein Mitstreiter mühen sich dennoch mehr als redlich und liefern einen beeindruckenden Auftritt mit introvertierten Pop-Perlen an der Grenze zur Perfektion ab. Schade nur, dass viele der in Privatunterhaltungen vertiefte Zuschauer wohl gar nicht mitbekommen, was für ein Ausnahmetalent da auf der Bühne steht. Am Ende bedankt sich der grundsympathische Martin Gustafsson dennoch artig und völlig frei von Sarkasmus beim Publikum für den „great evening“. Ein wenig traurig guckt er dabei aber trotzdem...
Nicht grundlegend besser ist die Atmosphäre schließlich bei Christian Kjellvander. Immerhin haben einige Menschen dann doch den Weg von weit hinten vor die Bühne gefunden, was aber letzten Endes nur zur Folge hat, dass das immer noch permanente Hintergrundgemurmel nicht mehr nur aus einer Richtung, sondern von überall her kommt. Auch Christian Kjellvander, der sein im Herbst erschienenes, sehr gelungenes drittes Solo-Album „I Saw Her From Here / I Saw Here From Her“ vorstellt, überzeugt auf ganzer Linie. Nur unterstützt von seiner Frau Karla-Therese an den Tasteninstrumenten und Dan Englund an der Gitarre wirken die ohnehin stets recht spärlich instrumentierten Songs des schwedischen Singer/Songwriters noch ein wenig amerikanischer, melancholischer und, wie etwa im Falle von „Poppies And Peonies“, fast sogar meditativ. Ganz anders, als es seine Songs vermuten lassen, ist Christian Kjellvander keineswegs ein an der Welt verzweifelter Künstler mit dem Hang zur Depression, sondern vielmehr ein gut gelaunter Geschichtenerzähler, der seine mitunter recht skurrilen Anekdoten gerne mit dem Publikum teilt.
Dafür, dass der Abend - zumindest aus meiner Sicht - nicht ganz so gelungen verlaufen ist, können Boy Omega und Christian Kjellvander nichts. Ich freue mich schon darauf, beide Künstler irgendwann noch einmal live zu sehen. Hoffentlich dann vor Zuschauern, denen etwas mehr an guter Musik als an Small-Talk liegt ...





















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