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Kristofer Aström & Nils Koppruch12.09.2007 // köln – Prime Club

Der Prime Club ist schon ein interessantes Etablissement. Sobald man es betritt, hat man das Gefühl in einer Art Höhle zu sein, mit Kölsch ohne Kohlensäure, wenig Licht, leicht modrig kalt. Vor der Bühne werden die Zuschauer in einen Halbkreis gezwängt, wo sie tanzen und sich die Hälse aus dem Leib singen können. Zwar beengt der Klub, sorgt durch seinen Charakter aber auch für eine klare Abgrenzung zum normalen Leben und ermöglicht so die dortigen Konzerte als gesondert wahr zunehmen.

An diesem Abend stehen Kristofer Astrom und Nils Koppruch auf dem Programm.
Nils Kroppruch, dessen Stimme man noch von der Band Fink kennt, stellt sich mit einfacher Gitarre auf die Bühne, wirkt leicht nervös und genau dadurch wieder sympathisch. Er singt auf deutsch, wundersame Texte, die das Leben schrieb und welche man zitieren möchte. Die Gitarre als steter Begleiter, auch mal die Mundharmonika am Mund, erkennt man in der Musik Anleihen von Musikern wie dem Zupfgeigenhansel, Rio Reiser oder auch aus der Zeit des Bauernkrieges im frühen Mittelalter. Musik wie Stimme berühren ungemein, und selten bekam der Support im Klub einen solch herzlichen und aufrichtigen Applaus, wie es Herr Nils genießen durfte.

Mit Kristofer Astrom auf der Bühne muss man sich gleich auf mehrere Menschen zugleich konzentrieren. Neben Kristofer fällt besonders der Bassist auf. Ein alter Rocker, von 61 Jahren, wie man später erfährt, den man eher mit alten Punk Bands oder AC/DC als mit den schwedischen Klängen Kristofer Astroms in Verbindung bringt. Seine Zigaretten verschluckt er während der Show, und wenn er gerade eine Gelegenheit hat seine Hände von der Bassgitarre zu nehmen, greift er zu einem Lutschbonbon. Er empfindet die Lieder einfühlsam mit und als Kristofer nach dem Konzert erzählt, der alte Herr wäre früher ein Junkie gewesen ist man gerührt, von der Veränderung, die Musik bewirken kann.

Das Konzert geht lange, die Musik ist eindringlich, drei Zugaben spielt die Band. Ihre Erschöpfung ist nicht zu verkennen, ihre Leidenschaft für Musik und die Freude am spielen jedoch ebenso wenig. Besonders beeindruckend ist Pedal Steel Guitar und Johan Lindström der die Fähigkeit besitzt, dieses faszinierende Instrument zu spielen. Bald fällt auf, dass ein grossteil der Melodie einzig von der Pedal Steel Guitar ausgeht.

Die Texte sind nicht leicht anzuhören, weil man in der Stimme Astroms, den Schmerz des Erlebten so stark hört, dass sich der eigene Magen zusammen zieht. Oft trägt die Musik selbst aber auch davon, in eine Welt, in der man seine eigenen Texte zu der Musik dichtet, in der einen die eigenen Erinnerungen überkommen und nicht mehr los zu lassen scheinen.

Es ist ein wunderbares Konzert, das vergeht wie ein Traum. Die Liebe und Leidenschaft der Band gegenüber der Musik wird mehr als deutlich. Während dem Auftritt wirken die einzelnen Musiker jeweils für sich separat, als das Konzert jedoch vorbei ist, sieht man die Zuneigung, welche diese Freunde füreinander haben.

Solche Momente möchte man öfter haben, Konzerte mit Leidenschaft.

12.09.2007 // tamara
 

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