Jens Friebe09.11.2007 // hamburg – uebel & gefährlich
Anke, es lag am Kater!
Letztes Jahr war es, im Frühjahr, aber nicht im Frühling. Zwei junge Damen an einem trüben, verregneten spätwinterlichen Sonntag Abend in der St. Pauli Tanzhalle. Jens Friebe auf der Bühne und davor ein kleines Publikum, das man auch mit einer Reisegruppe verwechseln könnte. Eine Reisegruppe, die auf dem Weg zum Pinneberger Schützenfest falsch abgebogen ist. Ausgenommen die zwei Damen, welche auch eher mit ihrem sonntäglichen Kater beschäftigt waren, denn ein schönes Konzert genießen konnten. Im Nachhinein fanden sie den Friebe so Durchschnitt und waren froh, wieder ins Bett gehen zu können.
Natürlich blieb die Frage im Hinterkopf bestehen.
Lag es vielleicht am Kater?
Ist der Friebe vielleicht sogar ganz gut?
Oder ist er womöglich richtig scheisse? Dafür würde ja diese verflucht fröhliche, saufende Reisegruppe sprechen, vor allem diese Seekuh, welche in der ersten Reihe jede Zeile mitsang.
Letzten Freitag konnte diese Frage endlich geklärt werden. Jens Friebe spielte mit seiner freundlichen Kapelle im Uebel und Gefährlich, Standort Hamburg, und eine der Damen begab sich, diesmal munter wie ein Fisch im Wasser, unalkoholisiert sowie katerlos, zu einem weiteren Feldversuch in ebendiese Lokalität.
Der Tanz ging relativ spät los. Erst um 22 Uhr 30 betrat Friebe die Bühne. Erklärung folgte auf dem Fuß. Leider hatte die angekündigte Vorband "Lonely Drifter Karen" abgesagt, weswegen das Publikum eben einfach so warten musste. Der Friebe war nämlich noch beim Italiener und man kennt das ja, mit der "mediterranen Lebensart".
Danach wurde wenig Zeit verloren. Sänger und Band, bestehend aus Chris Imler am Schlagzeug und Julie Mies als Gitarristin sowie Bassistin, legten mit einem Stück von der aktuellen Scheibe "Das mit dem Auto ist egal hauptsache dir ist nichts passiert" los und spielten als Erstes "Du freust dich ja gar nicht".
Glücklicherweise traf dies nicht auf das Publikum zu, die waren trotz der langen Warterei gut aufgelegt und ab den ersten Klängen recht angetan vom Gebotenem.
Dann kam der kritische Punkt: Die Karaoke- Nummer. Nach der eigenen Aussage von Jens Friebe ist dieser Song sehr umstritten, einige finden ihn geil, andere unmöglich. Die Band verlässt die Bühne und das Publikum fragt sich lachend, was denn nun kommen mag. Eine Disconummer. "Es hat keinen Namen" von Die Regierung ist es. Kommt an und überzeugt, wie sich der Friebe da auf der Bühne zu den fetzigen 80er Discosound- tüdeleien verbiegt und singt. Da kann man das Hamburger Publikum durchaus mal als unkritisch bezeichnen. Warum auch! Ist halt klasse, der Song, auch wenn es einer Karaoke- Version wirklich nahe kommt, mit diesen quitschigen Klängen.
Nach einer guten Stunde und tollen Stücken (Setlist siehe unten) ist der Zauber fast vorbei. Aber nur fast. Der Lawinenhund muntert als letztes Stück noch mal alle Beteiligten (Band - Publikum) auf. Klar, dass niemand diesen guten Popmusiker so einfach gehen lassen will. Nach der zweiten Zugabe ("Hass Hass Hass"- nicht programmatisch für den Abend), die Friebe solo bestritt, sagt er, mit Blick auf das Publikum: "Na, dann hol ich den Rest der Band mal wieder auf die Bühne, was?" Das ihm entgegen schallende Gejohle ist ein klares Ja! Und so folgen weitere drei Songs aus der Friebe- Schmiede.
Nach "erschreckend aktuell" (wieder Friebe solo) gehen endgültig die Lichter aus und die Zuhörerschaft weilt noch etwas unter sich, größtenteils beseelt von dem Qualitäts- Pop da eben.
Abschließend kann man sagen, dass Jens Friebe als Bühnenkünstler durchaus seine Qualitäten hat. Er ist jetzt nicht direkt der Pyro- Effekt- Entertainment- Typ, bei dem man nicht weiß, wo zuerst hingucken, aber darum geht es ja nun einmal auch nicht. Er ist mehr so der Typ, der es auf den Punkt bringen kann, ein Spruch genügt, wo andere entweder nichts sagen oder zuviel. Außerdem steht er mit seinem Publikum im Dialog, was auch mal schön ist. Funktionierende Kommunikation, bei der sich beide Seiten ernst nehmen. Gut und selten heutzutage.
Und zu guter letzt hilft es natürlich auch, wenn man mit einer schönen neuen Platte auf Tournee geht, wo richtig gute Sachen drauf sind und alleine der Titel ja schon beinahe genügt, um Mädchen, die manchmal verkatert auf einem sonntäglichen Konzert stehen, zu verzaubern.
Also: Anke, es lag am Kater damals!
Setlist:
1 Du freust dich ja gar nicht
2 Cast a Shadow
3 Still
4 Geheime Party
5 Frau Baron
6 Es hat keinen Namen
7 Das mit dem Auto ist egal, hauptsache dir ist nichts passiert.
8 Jeu de cons
9 Körper
10 Was es will
11 Neues Gesicht
12 Rauch ohne Feuer
13 Dann sagst du auf Wiedersehen
14 Lawinenhund
Zugabe! Zugabe!
Oke, oke.
Star (Solo)
Hass Hass Hass (Solo)
Bring mich zum Wagen
Kennedy
Abend voller Glück
Erschreckend aktuell (Solo)
Ein Kommentar
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anke am 15.11.2007 um 22:11 UHR
danke karina, nun habe ich es endlich verstanden ;)
d i e anke