Logo

Feist06.10.2007 // münchen – elser halle

Feist - hold each other tight

Vor 2 Jahren erreichte mich ein Anruf eines guten Freundes. "Feist" spielte damals im Batschkapp-Club in Frankfurt und besagter Freund war tags zuvor Gast dieses Konzerts. Schwer beeindruckt erzählte er mir: "Bene...ich bin verliebt! Ich bin verliebt in Leslie Feist!"

Er war derart hingerissen und fasziniert von dieser großartigen feinfühligen Art der Kanadierin und ihrer Musik, so in den Bann gezogen, dass die Bewunderung selbst noch am Telefon zu spüren war - Welches Gefühl entsteht bei einem Live-Konzert von "Feist"? Welche musikalische und menschliche Ausstrahlung zaubert diese Bewunderung und dieses Glitzern in die Augen aller Konzertbesucher? - Ein wundervolles Album ("The Reminder") und 29 Monate später konnten diese Fragen beantwortet werden und es war wieder an der Zeit sich zu verlieben, "Feist" spielt vier Termine in Deutschland, eines davon in der Münchner Georg-Elser-Halle.

Als Support mit dabei ist Bob Wiseman (www.bobwiseman.ca). Der sympathische verwirrte Singer-Songwriter aus Toronto beginnt mit "Fluke Fluke Fluke" unbedarft, lustig und verstörend - Gesang, Akkordeon, Pause, Gelächter, Gesang, Akkordeon - Wundervolle Idee. Jedoch nimmt die anfängliche Begeisterung und Qualität trotz der selbstproduzierten filmischen Unterstützung seiner Songs stark ab. "You don't love me" ist gleichzeitig der letzte Song mit Leslies prominenter Unterstützung am Schlagzeug. Eine angenehme Einstimmung für "The Army of Feist".

"Feist" beginnt ihr Konzert mit "When I Was A Young Girl", diese selbstzerstörerische traurige Thematik wird unterstützt durch rotes düsteres Licht auf der Bühne. Dieses taucht die fünf Musiker in ein höllenähnliches Szenario und lässt einen hoffen, dass man hier nicht in die Finsternis hinab gleitet. Die Entschuldigung folgt mit "So Sorry". Und verdeutlicht: hier geht es heute Abend nicht um depressive und zweifelnde Gedanken, "Feist" nimmt alles Negative von euch - you should hold each other tight! Bei "My Moon My Man" ist dann jegliches Positives zurück und die Lichterketten-Show kann beginnen. Die verzaubernde Stimme von Leslie Feist hüllt einen ein und begleitet dich davon. Weg aus diesem Raum, Umgebung ausgeblendet, schwebend, leicht getragen von der kühlen Herbstluft - the wings are wide - "I Feel It All". Die Vereinigung von Stimme, Orgelklängen, Gitarren, Vibraphonen erfüllt einen ständig mit Ruhe und Hoffnung. Und egal ob alleine oder mit ihren Musikern auf der Bühne, Leslie Feist wechselt Atmosphäre und Tempo von romantisch und nachdenklich zu unbedarft und fröhlich. Bei "1234" ersetzt das Publikum den fehlenden Chor. "Sea Lion Woman" lässt nochmal die ganze Verbindung zwischen Band und Publikum aufleben, unterstützt von einem wie wild improvisierendem Bob Wiseman an der Orgel. "Let It Die" beendet diese 90-minütige Faszination und das Erlebnis "Feist".

Alle Fragen beantwortet? Jein. Man kann sich dem Ganzen nicht entziehen. Eine Stimme, die in Verbindung mit diesen sphärischen Klängen unglaublich rein und kraftspendend aber auch verletzlich wirkt. Ausgeglichener und wohler fühlt man sich selten nach einem Konzert. Und doch ist der alles verbindende Funke selten auf das ganze Publikum übergesprungen. Ein Raum wie die Georg-Elser-Halle ist atmosphärisch nicht gut geeignet um dieser Musik seine volle Kraft zu geben.

Verliebt? Ja, ein bisschen für 90 Minuten. Dann war es auch schon wieder vorbei. Die Bewunderung für die Künstlerin Leslie Feist und ihr Werk ist geblieben.

Bester Song: Sea Lion Woman mit Bob Wiseman

06.10.2007 // bene
 

Ein Kommentar

awoo am 08.10.2007 um 18:44 UHR

schöner bericht! stimme all dem voll und ganz zu :)

Kommentar abgeben

 
 
 
 
 
Kommentar absenden
 

Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.

 
 
Real Time Web Analytics