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The Decemberists28.09.2007 // münchen – muffathalle

Der Überraschungseffekt und viel Sympathie

Es gibt Konzerte, die besucht man mit einer hohen Erwartungshaltung und ist enttäuscht wenn sie nicht oder nur teilweise erfüllt wird. Aber selten wird sie übertroffen. "The Decemberists" eilt der Ruf voraus dies möglich zu machen und zusätzlich dazu den geneigten Konzertbesucher immer wieder zu überraschen.

Eine halbgefüllte Muffathalle ("The Decemberists" waren bereits im Februar 2007 im Muffatwerk zu Gast) scheint da nicht die beste Grundlage dies zu bestätigen. Jedoch sollte sich schnell herausstellen, dass diese Band in der Lage ist jede Situation zu ihren Gunsten zu nutzen.

Den Beginn macht die Vorband "Land of Talk" aus Montreal, das Trio, das mit Indie-Pop-Rock anfangs wenig beindruckt und zum Schluß powergeladen endet. Die Stimme der zauberhaften Frontfrau Elizabeth Powell erinnert stark an Christina Llanos (Dover), und bringt einen dazu sich an einem regnerischen Herbsttag liegend ins hohe Sommergras zu wünschen.

"The Decemberists" beginnen ihr Konzert mit "Oceanside", ein Song aus dem Jahre 2003, der bereits zu Beginn klar macht: wir wollen euch etwas erzählen, hört uns zu und ihr werdet zufrieden nach Hause gehen. Im Hintergrund der Bühne stimmt eine übergroße japanische Märchenlandschaft mit einem fliegenden Kranich thematisch auf das aktuelle Album "Crane Wife" ein. Und bereits als 3. Stück bringt der gleichnamige Song den ersten Höhepunkt dieses Konzertes. 15 Minuten benötigt dieser um seine ganze Geschichte zu erzählen, langsam seine Spannung aufbauend, die musikalische Thematik wechselnd und am Ende steht die Frage im Raum:"War es ein Song oder waren es drei?" Genau das macht die Faszination des ganzen Konzertes aus, eine Band die Folk, Pop, Indie und Rock so intelligent vermischt. Bandmitglieder, die ihre Instrumente perfekt beherrschen, ständig in Tempo und Stimmung variieren, Märchen und Geschichten erzählen wollen. Colin Meloy, der die zentrale Figur auf der Bühne ist aber nie vergisst jedes einzelne Bandmitglied kurz in den Vordergrund zu rücken. Musiker, die sich ständig anlachen, wodurch man ihnen anmerkt, dass sie Spaß haben auf der Bühne zu stehen und ihre Musik mit größtmöglicher Überzeugungskraft, Ironie und Inbrunst vorzutragen. Eine Energie, die auch auf das Publikum überspringt, denn selten erlebt man Bands, die solch eine Harmonie und fehlende Arroganz ausstrahlen.

Was oben stattfindet, soll auch unten stattfinden. Deshalb lässt sich Colin Meloy schon mal zu einem Schimpfwort in Richtung eines Zuschauers hinreißen, der sich nicht respektvoll und nett gegenüber seines Nebenmann verhalten hat.

Weitere Höhepunkte sind "The Island" "Song for Myla Goldberg" und "16 Military Wives", bei welchen nie vergessen wird, dass auch die Interaktion mit dem Publikum grundlegendes Element eines "Decemberists"-Konzertes ist. Sei es das Mitsingen bei "16 Military Wives" oder ein "Dance-Contest". Bei Letzterem wurden auf Anweisung von Colin Meloy, zwei Kreise (links und rechts) im Publikum gebildet, in welchen möglichst viele Leute tanzen sollten. Rechts war das der Fall, links beeindruckte ein Afro-Frisur-Träger in Lederhosen mit Breakdance-Einlagen.

Ja, es ist Oktoberfest-Zeit in München, was einen zu der Annahme führen könnte, dass dieses Konzert eine letzter Zufluchtsort im Wahnsinn des bierseeligen Treibens ist. Dem ist nicht so, unser Breakdance-Lederhosen-Freund trägt dazu bei, ebenso wie die gehobene "Freak"-Dichte der Konzertbesucher, die gerne mal auch mit Weiß-Blauen-Bierkrug-Hüten aufkreuzen. So...What?

Der Stimmung tut es aber keinen Abbruch. Vor allem als sich das Konzert nach 90 Minuten seinem pompösen Ende neigt. Die Band spielt als Zugabe zwei Songs, welche in ihrer Art und Stimmung nicht unterschiedlicher sein könnten. Begonnen wird mit "Eli, the Barrow Boy", dieser wunderschöne, nachdenkliche, romantisch ruhige Song. Und es endet mit "The Mariner's Revenge Song" bei dem das Quintett zur Hafenband mutiert, die Aufmerksamkeit aller einschließlich der Barkeeper fordert, um dann schunkelnd ihre Geschichte zu erzählen. Die Zuschauer müssen die Schreie einer Schiffsmannschaft imitieren, die soeben von einem Wal verschluckt wird. Man gewinnt den Eindruck hier nicht einer Band zuzuhören, sondern soeben einem interaktivem Theaterstück beizuwohnen. Ein beeindruckender Abschluß eines Abends der neugierig macht was das nächstes Mal bei "The Decemberists" auf der Bühne passiert...Wer hier nicht lacht und staunt ist sowieso schon längst zu Hause.

28.09.2007 // bene
 

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