Joanna Newsom18.09.2007 // münchen – muffathalle
hinter der harfe
die atmosphäre in der muffathalle hat vor dem auftritt von joanna newsom etwas von einem klassischen klavierkonzert oder einer oper. über zwanzig reihen sitzplätze, kein rauch, kein bierausschank, andächtige ruhe und mein nachbar putzt sein fernglas. für einen augenblick komme ich mir so vor als würde ich auf don giovanni warten. das hier gleich der indie-shooting-star des letzten jahres auf die bühne kommen wird ist fast nicht vorstellbar, wären da nicht auch ein paar wollmützen, rockerjeans und trainingsjacken im publikum, die einen gangbaren hinweis auf indie geben könnten.

nun ist joanna newsom ja keine standardisierbare musikerin. newsom steht für folk, märchen, anspruchsvolle moderne musik, keine leichte oder vergängliche kost. und so schwebt das erwartete barocke märchen als eine junge zierliche frau auf die bühne. ihre musik ist von märchenhaften, kryptischen texten gezeichnet, die auf ihren alben mit harfe, gitarre und klavier untermalt werden. ihre stimme erinnert bisweilen an björk, was durchaus als kompliment verstanden werden muss. live versteckt sich die schüchterne joanna hinter ihrer großen harfe, die in der bühnenmitte stehend die ys street band sauber in zwei abschnitte teilt. links von der harfe, aus sicht des publikums, stehen eine junge geigerin und ein banjospieler. die rechte seite der bühne wird von einem herrn ausgefüllt, der neben dem betätigen der vor ihm befindlichen schlaginstrumente auch unterstützende gesangparts übernimmt.

newsoms stärkste songs sind jene ihrer aktuellen und sehr erfolgreichen platte "ys", mit denen sie sich bereits in die herzen der kritiker spielte. weniger wohlwollend eingestellte sind, möglicherweise abgeschreckt vom hohen eintrittspreis, nicht gekommen oder während des konzerts eingeschlafen.
zweifelsohne findet man zur form dieser musik nicht so einfach den zugang. der anspruchsvolle folk der 25-jährigen amerikanerin erfordert ein hohes aufmerksamkeitspotential vom zuhörer. songs von einer länge bis zu 15 minuten mit langatmigen, sehr ruhigen, unaufgeregten passagen betonen dies nachhaltig. das live-arrangement ihrer raffinierten kompositionen, begleitet von der fehlerlos spielenden ys street band, ist sehr stimmig und wird durch die unfassbar variablen töne aus dem grazilen körper von newsom zu einer attraktion.

artig bedankt sie sich nach jedem ihrer lieder mit einem leisen "thank you" für den ihr zuteil werdenden applaus. ihre schüchterne art strahlt großen charme aus. dies wird insbesondere in dem kurzen augenblick klar, als sich die begabte musikerin einmal verspielt. sie quiekt kurz, lächelt und spielt fehlerfrei und professionell weiter. es sind diese kleinen momente während ihres auftritts, die das publikum in ihren bann ziehen, auch ohne große show. keine frage, die zuhörer sind begeistert von ihrem auftritt, der die musik in den mittelpunkt stellt. und so nimmt man es ihr auch nicht übel, dass es abschließend nur eine zugabe gibt.
newsom kommt nicht als sexy harfenelfe daher, sie konzentriert sich auf ihre schaffenskraft als künstlerin und nur darum geht es und sollte es viel öfter gehen.
Ein Kommentar
Kommentar abgeben
Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.





















bobbel am 23.09.2007 um 14:07 UHR
unglaublich wars. vielleicht werd ich alt, aber das war sooo viel besser als so viele indie konzerte.