Black Rebel Motorcycle ClubBerlin, C-Halle

von Annett Bonkowski · 07.04.2013

größere hallen mögen für manche bands mehr raum zur selbstdarstellung bedeuten und gleichzeitig einen verlust des bezugs zum publikum. für black rebel motorcycle club hingegen bedeutet es schlichtweg mehr angriffsfläche für ihre ungezähmten songs, die die intensität jenen moments verkörpern, der zumeist heftig und aufbrausend über zuschauer hinweg fegt. zwei stunden lang führte das in los angeles beheimatete trio das publikum in einen berauschten zustand aus dynamischer ausgelassenheit auf der einen und reflektierender, intimer atmosphäre auf der anderen seite.

auftakt des 23 song starken sets bildete »let the day begin« - eine hommage an den 2010 verstorbenen vater von robert levon been, der als oft als „viertes“ bandmitglied bezeichnet wurde. in den 120 folgenden minuten boten black rebel motorcycle club einen querschnitt durch ihr gesamtes musikalisches repertoire, bei dem jedes studioalbum bedacht wurde und sich sogar fan-lieblinge wie das akustisch vorgetragene »mercy« mit auf die setlist schlichen. eingerahmt von einer stets spürbar im raum präsenten dringlichkeit und leidenschaft, die sich seither durch das rebellische songmaterial der drei bescheidenen musiker zieht, das sich nicht scheut von stadt zu stadt kleine variationen im set vorzunehmen. die schon auf den alben bemerkenswerte vielseitigkeit wird auch in der live-performance zum ausdruck gebracht, indem die band das aggressive und kämpferische spiel mit den instrumenten ebenso beherrscht wie das schlichte und zurückhaltende vortragen jener songs wie »devil‘s waitin‘« oder auch dem neuen stück »returning«. black rebel motorcycle club können, wie in berlin gezeigt, mit beiden facetten ihres künstlerischen ausdrucks mehr als überzeugen.

dennoch waren es die lauten und hitzigen momente des abends, die sowohl die menge im zuschauerraum als auch die band förmlich explodieren ließen. mit »berlin« hatten black rebel motorcycle club ein heimspiel, dessen siegreicher ausgang bereits vorprogrammiert war. der doppelpack von »six barrel shotgun« und »spread your love« aktivierte die letzten noch verbliebenen energiereserven auf beiden seiten und mündete gegen ende des konzerts in einem musikalischen ausnahmezustand, der den sonst eher gelassenen peter hayes zwischenzeitlich zu einem ins mikro geschleuderten „fuck yeah!“ trieb. weder für die fans noch für die band schien es an diesem abend ein halten zu geben. bierbecher flogen im sekundentakt, selbst vermeidlich getragenere songs wie »666 conducer« veranlassten typen in lederjacken zum passionierten crowdsurfen und die lässig am gitarrenhals festgeklemmte oder im mundwinkel hängende zigarette von peter hayes brannte ebenso beständig wie das verlangen des publikums nach aufbrausenden, musikalischen einladungen zum allgemeinen aufbegehren.

zum dank für den überschwänglichen und herzlichen empfang von seiten des publikums gab es dann noch eine fortsetzung nach dem eigentlichen konzert, bei dem robert levon been mit der akustik-gitarre bewaffnet vor der c-halle und umringt von zahlreichen fans weitere songs zum besten gab und auf zuruf auch untypische interpretationen wie »girls just wanna have fun« vortrug während fans bis in die umliegenden baumwipfel kletterten oder sich von den songs bewegt vor dessen füße knieten. tief im rock‘n‘roll verwurzelt, aber eben doch so viel mehr als die klassische lederjacken-rock-band haben black rebel motorcycle club auch mit ihrer jetzigen show in berlin demonstriert, dass sie auch fünfzehn jahre nach bandgründung weit abseits des rock‘n‘roll klischees agieren und damit ihrem unverwechselbaren charakter treu geblieben sind. die frage „whatever happened to my rock‘n‘roll?“ stellt sich angesichts so viel einsatzes und bestimmtheit im falle von black rebel motorcycle club keineswegs mehr.

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