Yo La TengoDüsseldorf, Zakk

von Oliver Schröder · 12.03.2013

Im Hintergrund stehen Bäume aus Sperrholz, alles ist still und leise. Die Band spielt zu zwei Dritteln im Sitzen. „Hoffentlich steht Ira Kaplan heute auch nochmal auf“, heißt es neben mir. Er wird. Und ob er wird.

Yo La Tengo

Die Idee das Set in zwei Teile zu Teilen ist eigentlich eine gute: Erst kommt ein geballter Teil mit magisch-stillen Momenten. Die Songs, bei denen man (wenn das Publikum mitspielt) eine Stecknadel fallen hören kann: eine reduzierte Version von »Ohm«, das genau dann endet, wenn es auf dem Album erst richtig anfängt. Mit den ebenfalls neuen, ruhigen Songs »Is That Enough«, »I’ll Be Around« und »The Point Of It« scheint das Trio daran erinnern zu wollen, dass sie (wie auch das Publikum) nicht mehr die Jüngsten sind. Erst bei »Black Flowers« wird es etwas lauter, wenn auch kaum spürbar. Ein immerhin schon 20 Jahre altes »Big Day Coming« haut genau in die gleiche Kerbe, tröstet aber im gleichen Augenblick mit der Tatsache, dass es rein gar nichts von seiner betörenden Faszination verloren hat. Seine Strahlkraft ist, ganz im Gegenteil, leuchtender denn je zuvor. Im Gegensatz zu früheren Tagen haben sich zudem alle Bandmitglieder auf ihre ganz besondere Weise zu hervorragenden Sängern entwickelt. Als Georgia schließlich aufsteht und die Gitarre vor den Verstärkerboxen wie in Zeitlupe kreisen lässt, um das typisch harmonische Yo-La-Tengo-Feedback zu erzeugen, macht es schließlich endgültig ‚klick‘: Da war doch noch mehr! Anschließend verabschieden sie sich mit einem „See you in a couple of minutes!“ hinter die Bühne. Aus den paar Minuten sollte mehr als eine halbe Stunde werden, aber durch den ersten Teil bereits mehr als harmonisch gestimmt, gibt es auch mitten in der Woche kaum schlechte Laune im Publikum.

Und das Warten lohnt sich schließlich. Nach der Umbaupause kehren die anderen Yo La Tengo auf die Bühne zurück: die mit dem Geschrammel, dem Gitarrenkopulierenden Ira und den minutenlangen Noise-Eruptionen. Hier wird auch der Teil von »Ohm« nachgeholt, der in der ersten Sethälfte ausgelassen wurde. Es folgt ein lustvoller Streifzug durch Dekaden aus Lärm: »Sugarcube«, »More Stars Than There Are In Heaven« und »(Straight Down to the) Bitter End« stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dazu Velvet Undergrounds »She’s My Best Friend« und The Troggs' »With A Girl Like You« und als krönender Abschluss eine umwerfende Gute-Nacht--Version von »Yellow Sarong«, bei der das Zakk in ein funkelndes Lichtermeer getaucht wird.

Die Zweiteilung der Sets ist neu bei Yo La Tengo und birgt Vor- und Nachteile. Einerseits umfängt diese Bündelung zurückhaltender Songs zu einer ersten, quasi „Unplugged“-Sethälfte das Publikum mit sanfter Melancholie und erleichtert ein unmittelbares Umschalten in den „Konzertmodus“. Andererseits bestand der Reiz bisher auch immer in dem Wechsel aus laut und leise. Das Aufeinanderprallen von Stimmungen machte die stillen Songs noch stiller und die lauten Stücke noch lauter. Aber das ist Kritik auf höchstem Niveau, denn es wird an diesem Abend kaum einen Besucher gegeben haben, der nicht mit einem seligen Lächeln (und leicht fiependen Ohren) aus dem Club in die eiskalte Düsseldorfer Nacht zurückgekehrt ist.

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