WoodkidBerlin, Babylon

von Annett Bonkowski · 05.03.2013

die album-veröffentlichung von woodkids debüt »the golden age« steht erst in einigen tagen bevor - berlin durfte sich aber schon jetzt auf ein konzert des französischen musikers und regisseurs freuen. den passenden ort für die detaillert ausgearbeitete inszenierung lieferte das kino babylon, dessen sitzreihen sich mit einem publikum füllte, das mit popcorn und getränken bewaffnet offensichtlich auf gemütlichkeit eingestellt war. das entspannte kino-feeling konnte jedoch schon ein paar minuten später getrost verabschiedet werden als yoann lemoine, begleitet von 3 bläsern, 2 percussionists und 2 keyboardern, auf der bildfläche erschien und das folgende schauspiel aus großflächig auf die leinwand projezierten visuals und der einnehmenden musikalischen untermalung seinen lauf nahm.

trotz der vielen vorschuss lorbeeren, die woodkid für seine veröffentlichen singles, wie z.b. »iron« oder auch das aktuelle »i love you« sowie für seine regie-arbeiten erhalten hat, wirkte er als sänger zunächst fast ein wenig schüchtern. das basecap etwas ins gesicht gezogen, der vollbart dicht gewachsen und der blick oftmals auf den boden gerichtet, hielt sich der franzose zumeist am mikrofonständer fest oder ließ seine hände wie ein dirigent die arrangements in der luft nachzeichnen, auch gerne mit dem rücken zu den zuschauern. erst nach ein paar songs und der kontaktaufnahme mit dem publikum wurde die im raum vorherrschende ernsthaftigkeit gelockert, so dass gerade die eingestreuten, humorvollen ansagen die dunkle visuelle und auch musikalische atmosphäre mit einigen lichtakzenten aufheiterten.

das gefühl von erhabenheit, das sich dank der dicht gewebten songs, der messerscharfen arrangements und nicht zuletzt auch durch die schwarz-weiss optik der visuals über das enstandene gesamtbild legte, konnte von woodkid über die dauer des ganzen sets aufrecht erhalten werden. auf der einen seite wurden die augen der zuschauer mit minimalistisch gehaltenen bildern von fassaden und lichtkegeln sowie dem kontrast aus formen und einem ständigen perspektivenspiel gefüttert - auf der anderen seite ergossen sich die reich an symbolik aufgelade bildsprache und die konstruierten dimensionen im einklang mit den oftmals bedrohlich und erfürchtig wirkenden klängen über die in aufruhr versetze sinneswahrnehmung des publikums. ein explosiver, aber gleichzeitig auch sanfter stimmlicher rausch aus intensiven impressionen, der durch das punktgenaue zusammenspiel den zuhörer an den ohren packte und nicht selten in den sitz drückte.

nichtsdestotrotz gelang es woodkid aber gegen ende des konzerts die berliner aus ihrer freundlich gesinnten starre herauszuholen und den saal dank eigener tanzeinlagen dazu zu ermuntern sich von den sitzen zu erheben. spätestens beim erklingen der ersten töne von »iron« zog es die leute von ihren iphone-bildschirmen weg auf die füße und zugaben wie »run boy run« wurden gar mit erhobenen armen gefeiert. dieser nach aussen getragene enthusiasmus schien selbst woodkid anzustacheln und wurde mit einem breiten lächeln quittiert. so schwankte der abend inmitten der aufgewirbelten rauchschwaden immerfort zwischen stiller bewunderung und einer spürbar aufgeladenen stimmung. die bewusst erzeugte schwere der songs wurde dabei nur für kurze zeit ausser gefecht gesetzt.

auch wenn die gewaltigen visuals einen wichtigen teil zur inszenierung beitrugen, funktionieren die songs auf »the golden age« dank ihrer klanglichen tiefe und dem durchdringenden pathos wohl auch problemlos ohne die begleitende, für woodkid typische bildsprache, die er so gern mit seinem musikalischen werk verbindet. sein auftritt im berliner babylon dürfte trotz der perfekten darbietung vermutlich aber nur ein erster wegweiser dafür gewesen sein, was man zukünftig noch alles von wookid erwarten darf.

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