Sigur RósMünchen, Zenith

von Gerd Müller · 23.02.2013

Isländische Trolle auf Vulkantour. Sigur Rós traten im Rahmen ihrer aktuellen Welttournee nur zweimal in Deutschland auf. Am Tag zuvor in Berlin und jetzt München. Wenn man, wie ich, hin- und zurück ca. 450 km bei winterlichen Straßenverhältnissen samt Staus auf sich nimmt, dann muss dies schon etwas Besonderes sein, um all das gern auf sich zu nehmen.

Die Riesenhalle Zenith, ein Industriedenkmal nahe der A 9, war mit tausenden Fans gut gefüllt, die aus allen Landesteilen und sogar bis aus Italien herbei strömten. Es war mein zweiter Konzertbesuch mit dieser faszinierenden Band, die wie keine andere ihre Heimat in Musik auszudrücken vermag. Vor fast fünf Jahren gastierten sie in Wiesbaden. Dieses denkwürdige Konzert löste in mir eine ungeahnte Begeisterung für diese Band aus. Auch diesmal sollte es nicht anders sein. Aber zuvor war Geduld bei Minusgraden angesagt. Um 18:30 h war Saalöffnung angedacht, doch bereits zwei Stunden vorher standen Hardcore-Fans vor dem Eingang Schlange, um den besten Platz vor der Riesenbühne zu ergattern.

Um 20 Uhr eröffnete als Support Blanck Mass den Abend mit einer fast endlosen, sich permanent wiederholenden Elektronica-Einlage. Das dauerte eine halbe Stunde. Meine Kurzkritik: „Meditativ-Dröhnung“. Hinter einem transparenten Vorhang hantierte der Protagonist mit verschiedenen elektronischen Geräten. So etwas hört man sich allenfalls einmal an. Zur Einstimmung auf das folgende Konzert war es allerdings zumutbar, zumal Sigur Rós eine sehr experimentierfreudige Band sind und mit elektronisch erzeugten Effekten sehr gut umzugehen wissen.

Nach einer kleinen Umbaupause wartete man gespannt auf den Hauptact des Abends. Die diesmal elfköpfig formierte Band um den charismatischen Sänger und Gitarristen Jón Þór Birgisson (Jónsi) wurde um ein Blechbläserduo und einige Geigenspielerinnen erweitert und begann pünktlich um 21 Uhr mit ihrer gigantischen Musikshow. Sicher muss man einräumen, dass die wehmütige Falsettstimme von Jonsi nicht jedermanns- und –fraus Sache ist. Hat man die aber erst mal intus, ist sie ein eigenständiges „Instrument“, das die Musik ideal ergänzt. Wie er mit einem Cellobogen seine E-Gitarre bearbeitet, ist immer wieder ein besonderer Hingucker. Klangkaskaden auf der Bassgitarre, dem Keyboard und vor allem vom nimmermüden Drummer, der ein paar Hände mehr zu haben scheint, ergänzen die solistische Darbietung von Jónsi. All dies löst ein unbeschreibliches Wechselbad der Gefühle aus und weckt Emotionen.

Nachdem die ersten Songs noch hinter einem transparenten Vorhang gespielt wurden und wunderschöne übergroße Schattenbilder hervorriefen, waren es später die atemberaubend fantasievollen Hintergrundprojektionen, die jede Komposition in idealer Weise ergänzten und zusätzliche Impulse vermittelten. Müßig zu erwähnen, dass die Lightshow vom Allerfeinsten war und wunderbar warme Lichtteppiche ausbreitete. Neben bewährten Songs aus vergangenen Alben kamen auch einer aus der im vergangenen Jahr veröffentlichten CD „Valtari“ sowie vier völlig neue Songs hinzu. Die Texte versteht man nur, wen man die isländische Sprache beherrscht, doch vieles wurde auch in einer eigenen Kunstsprache gesungen. Dies tat der Sache aber keinen Abbruch.

Nach gut zwei Stunden wurde das Konzert wie stets mit dem ekstatischen Opus „Popplagið“ beendet. Das ist die Vulkanassoziation aus der Titelüberschrift. Wer das Glück hatte, ergatterte zwei Drumsticks, die Orri Páll Dýrason in die Zuschauermenge warf. Zwei „Zugaben“ bestanden leider nur aus Verabschiedungen der Band von ihrem jubelndem Publikum.

Als Resümee kann ich festhalten, dass Sigur Rós wie ihre einsam im Atlantik liegende Insel ein Naturereignis sind. Sie vereinen im übertragenen (musikalischen) Sinn blaue Lagunen, warme Quellen, Geysire, Vulkanausbrüche, Wasserfälle, Trolle in sich. Ein musikalisches wie optisches Gesamtkunstwerk par ecxellence.

Fotos vom Konzert

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