No-ManKöln, Gloria

von Fabian Broicher · 29.08.2012

Auftritte der britischen Melancholiker No-Man sind rar gesät. Äußerst selten wagen sich Tim Bowness und Tausendsassa Steven Wilson mit ihrem gemeinsamen, immerhin bereits 25 Jahre andauerndem, Projekt auf Bühnen. Dass sich so wenige Gigs realisieren ließen, liegt daran, dass sich die Band selbst nicht vertraute – und dass jede Liveaufnahme an eine miserable Deep Purple–Coverband erinnerte, wie Wilson während des Konzerts an einer Stelle dem Publikum sehr humorvoll berichtet. Ihre Scheu, vor Publikum aufzutreten, scheinen sie mittlerweile jedoch abgelegt zu haben. Schließlich bereisten die beiden mit teils prominenter, durchweg handwerklich erstklassiger Unterstützung, in den letzten fünf Jahren gleich zwei Mal den europäischen Kontinent, sowie ihr Heimatland. Zwar kann man bei fünf Terminen nicht unbedingt von einem ausgedehnten Tourplan reden, jedoch deckt die Band möglichst viele Länder ab, und gaben lediglich in Deutschland zwei Konzerte.

Dementsprechend multikulturell fällt auch das Publikum am 29.08.2012 im Kölner Gloria aus. Man hört genau so viel englisch und holländisch wie deutsch, kommt ins Gespräch mit einem Luxemburger und wundert sich darüber, dass vor allem junge Teenager aus Frankreich No-Man zu schätzen schienen. Trotz der so unterschiedlichen Leute im Publikum herrscht eine gewisse einheitliche, gelassene Stimmung vor dem Konzert, vielleicht auch, weil die anwesende Gruppe etwas von einem elitären Kreis besitzt, die treuesten Fans, sozusagen, die sich alle gleichsam mit dem minimalistischen Art-Pop identifizieren können. Denn das Gloria ist alles andere als ausverkauft – lediglich circa 300 Zuschauer haben ihren Weg in das alte Theater gefunden. Womöglich liegt dies daran, dass die Band mit keinem neuen Album im Gepäck auf Tour geht; lediglich eine Live-CD erschien dieses Jahr von dem Duo, die unter dem Namen »Love And Endings« inklusive DVD zu haben ist.

Eine ähnliche Atmosphäre, wie sie auf der neuesten Veröffentlichung zu hören ist, kreiert die Band auch an diesem Abend in Köln. Fragile Soundscapes mit minimalistischen Rhythmen, die von dem klassisch ausgebildeten Geiger Steve Bingham mit seinem Spiel veredelt werden. Über allem schwebt der faszinierende Gesang von Bowness, der mehr als einmal an diesem Abend stimmlich an David Sylvian erinnert. Glänzen kann jedoch vor allem Wilson, der mit seinen Soloprojekten sowie mit Porcupine Tree bereits ganz andere Hörerkreise erreichte, und wegen dem wohl die meisten im Publikum überhaupt erst auf No-Man aufmerksam wurden. Seine Gitarrensounds klingen immer geschmackvoll und nie deplaziert, und selbst wenn er die seltene Gelegenheit bekommt, ein Solo einzubauen, hält er sich, fast wie ein Gentleman, zurück. Meist erinnert sein Spiel an Robert Fripp, besonders deutlich hörbar bei »My Revenge On Seattle«.

Auch sonst weiß die Band zu überzeugen. Vor allem die Songs »Lighthouse« und »Close Your Eyes« vom Überalbum »Returning Jesus« ziehen langen und frenetischen Jubel nach sich, den die Band sichtlich zu genießen scheint. Die beiden Musiker scherzen sogar, was noch vor fünf Jahren gar nicht selbstverständlich war, stellen fest, dass Offenbach eine der trostlosesten Städte Deutschlands ist, und geben sich gegenseitig Nachhilfe im »crowd controlling«. Klanglich nahezu perfekt wird die Band von Soundmann Ian Bond eingefangen (obwohl anfangs der Gesang ein wenig zu leise ist), und selbst in den lauten, an Postrock erinnernden Passagen, beispielsweise beim grandiosen »Mixtaped« vom letzten Studioalbum, bleibt alles klar differenziert und gut hörbar.

Nach zwei Zugaben, darunter der Klassiker der Band, »Things Change«, und fast zweieinhalb Stunden, hatte das behutsame Spektakel, dass No-Man zelebrierte, ein Ende. Enttäuscht schien keiner zu sein, vor allem, da das Set variabel und interessant aufgebaut war. So stand sowohl »Days In The Trees«, vor 25 Jahren damals No-Mans erster Singlehit, genau so auf dem Programm, wie ein neuer Song, der stark an Radiohead erinnerte.

Schade nur, dass diese Tour bereits wieder vergangen ist. Der sympathischen Band kann man nur wünschen, dass ihr kleiner, etwas verschrobener, dafür aber wunderschöner Art-Pop à la Talk Talk in Zukunft etwas mehr Leute erreicht, und man auch etwas ausgedehnte Touren erwarten kann.

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