Dockville Festival 2012Hamburg, Wilhelmsburg

von Maximilian Römer · 12.08.2012

Vorab: Ich weiß nicht, ob man objektiv von einem Festival berichten kann, von dem man selbst ein großer Fan ist. Des weiteren weiß ich nicht, ob man von einem Festival berichten kann, ohne mit Klischees und stereotypen Versatzstücken um sich zu werfen. Ich bin mir, jetzt wo ich diese Zeilen geschrieben habe, sogar im Klaren darüber, dass beides nicht möglich ist – und vielleicht ist das auch gut so. Kein „Tocotronic brachte die Zuschauer zum Toben“ oder „Marsimoto feierte am Samstag Abend mit einer legendären Show“. Vielmehr eine Hommage an ein von mir geliebtes Festival.

Ja, das Dockville Festival ist mit absoluter Sicherheit eines der besten Festivals in der Bundesrepublik. Denn keinem anderen Festival gelingt so eine unverwechselbare Mixtur. Musikalisch gesehen werden hier alle verschiedenen Genres abgedeckt, die Kunst reicht von Installationen und Performances zum Mitmachen, bis hin zu Ausstellungsstücken, die sonst auch auf documenta-Boden ein Zuhause finden könnten und das Publikum evoziert eine Stimmung, die ich bislang auf keinem anderen Festival erlebt habe.

Gelegen direkt am Wasser am Wilhelmsburger Ufer offenbart sich eine Kulisse, welche durch ihren Industrie-Charme jeden Festivalbesucher sofort einnimmt. Der Bezug zur Hansestadt ist auch auf dem Festivalgelände unverkennbar und so fühlt man sich sofort – geltend für Nicht-Hamburger – willkommen und in der Gemeinschaft der in diesem Jahr rund 20.000 Besucher aufgenommen. Auch wenn mir mit zunehmenden Alter nun sofort die jüngeren Besucher ins Auge fallen, ist die Masse bunt gemischt und nur vereinzelt erklingen laute Festivalrufe. Das Gelände ist zuvor von eifrigen Helferinnen und Helfern hergerichtet worden und so bestaunt am Nachmittag ein Großteil der Festivalgänger, die aufwendigen Holzkonstruktionen und kleinen und großen Kunstwerke. Gegen Abend ist ein Großteil des Publikums selbst zum Kunstwerk geworden und so sind viele Körperteile der Besucher mit Sätzen aus „Krieg und Frieden“ verziert – eine der besten Installationen des Festivals.

Am Nachmittag ist die Musik noch eher ruhig. Klavier, Gitarre und Synthie. Von den Hauptbühnen und den kleineren Spielstätten erklingt Indie, der auch in diesem Jahr seinen Hang zur Elektronik auslebt. Aber auch Hip Hop, Funk und deutschsprachiger Indierock findet hier auf dem MS Dockville ein Zuhause. Als am Abend die Hauptacts die Bühnen erklimmen, zeigen die Dockville-Besucher aber auch, dass es nicht stets ruhig und gediegen zugehen muss und so wird bis spät in die Nacht bei Künstlern wie Metronomy, Hot Chip, WhoMadeWho und Apparat gefeiert. In der Nacht wummern die Bässe noch bis in die frühen Morgenstunden und zu nationalen und internationalen DJ’s feiern die Dockville Besucher ausgelassen.

Das absolute Highlight ist wohl der Auftritt von Tocotronic am Sonntag Abend. Hier wird noch ein Mal die Schulbank der bekanntesten deutschen Schule gedrückt und als nach der zweiten Zugabe der letzte Akkord erklingt, die Sonne untergegangen ist, sagt meine Mitbewohnerin ein wenig wehleidig: „Eigentlich will ich das jeden Tag Dockville ist.“ „Ja“, denke ich und freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr.

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