TV Noir Open AirErlangen, E-Werk
Raus aus dem gemütlichen Wohnzimmer und mal unter freiem Himmel konzertieren - die Idee war gut, doch der Wettergott noch nicht bereit. So fielen die ersten beiden Stationen der TV Noir-Sommerreise der unsicheren Wetterlage zum Opfer und die eigentlich als Open Air geplanten Konzerte in Köln und Erlangen fanden dann eben doch wieder dort statt, wo Tex und Co. sonst auch immer zu finden sind: In schummrigen Räumlichkeiten mit Ledercouch, Stehlampe und Perserteppich.
Ob diese kurzfristige Verlegung nach Drinnen der Qualität des Abends allerdings geschadet hat, darf durchaus bezweifelt werden. Im Gegenteil: Die lauschige Atmosphäre in der bestens gefüllten Kellerbühne des E-Werks schien nämlich geradezu perfekt für die mit Tempowechseln, Finten und Überraschungen gespickte Musik des deutsch-griechischen Ehepaars Sea + Air. Mit vergleichsweise spartanischen Mitteln - Cembalo, Akustikgitarre, minimalistisches Schlagwerk, wohldosierte Elektronik und zweistimmiger Gesang - gelang es Eleni und Daniel Benjamin spielend, das sehr aufmerksam lauschende Publikum ein ums andere Mal in Verzückung zu versetzen. Egal, ob Sea + Air eher Bedächtiges wie »Take Me For A Ride«, Knalliges wie am Ende des fulminanten »Do Animals Cry« oder Bonbonbuntes wie im zuckrigen »The Heart Of The Rainbow« auftischten: Alles war perfekt umgesetzt, sehr durchdacht und machte - ebenso wie Daniel Benjamins kurzweilige Ansagen zwischen den Songs - vor allem riesigen Spaß.
Konventionellere Songwriter-Kost bot dagegen TV Noir-Conferencier Tex, der mal am Piano, mal an der Gitarre Coverversionen seiner Helden Bob Dylan (»All Along The Watchtower« auf Deutsch) und Elvis Costello sowie Selbstgeschriebenes zum Besten gab, das hin und wieder tatsächlich an Herbert Grönemeyer denken ließ. Nett anzuhören war das allemal, aber an die Klasse von Sea + Air reichte Tex an diesem insgesamt äußerst gelungenen Abend zu keiner Zeit heran.


















