The Black Atlantic23.01.2012 // München – Feierwerk
wäre das popbusiness eine schulklasse, the black atlantic stellten wahrscheinlich die streberriege. kaum eine andere band tourt so viel und arbeitet so fleißig an ihrer idee vom perfekten folk wie die vier herren aus den niederlanden.
ein wunder, dass sie trotzdem erst im fünften jahr ihres bestehens und nach unzähligen touren hierzulande in münchen landen. frontmann geert van der velde lässt natürlich nicht aus, dass er mit seiner früheren hardcore band shai hulud die bretter, auf denen die band gerade steht, schon einmal beackerte. „let's not forget metal and hardcore aren't so bad after all“ scherzt er - dennoch erwartet die besucher am heutigen abend komplett das gegenteil.
was als reduziertes, hauptsächlich auf vokalharmonien fußendes projekt begann, das klangtupfer an klangtupfer reihte und dazwischen viel freiraum ließ, hat sich mittlerweile zu einer richtigen band ausgewachsen. bis auf kim janssen, mitbeteiligt am songwriting und selbst ein großartiger singer-/sonwriter (geheimtipp!) haben sich unter anderem geerts ehefrau aus dem kollektiv verabschiedet. mit matthijs herder und simon van der heide wurde die lücke aber mehr als nahtlos mit zwei versierten musikern gefüllt.
mit dem schlussstück ihres debuts wird das konzert eingeleitet, seidener gesang schwimmt mit verwaschenen gitarrenakkorden in einem meer aus hall und erfüllt das feierwerk. gänsehaut gleich vom ersten moment an, das muss man auch erst einmal schaffen; mag die begeisterung auch daran liegen, dass ihre ersten klänge sich in eine see aus drones ergießen, die das konzert dröhnend einleiten. bevor man sich jedoch an alte songstrukturen krallen kann, setzt die band ein und verleiht 'i shall cross this river' ein mehr an dynamik. es folgt 'old dim light', sachte spielt die band mit dem stück, will ihm nicht seine alte form rauben, prescht aber mit den füßen zappelnd zum ersten höhepunkt des konzerts. das eröffnungsstück der neuen, als band aufgenommen ep 'darkling, i listen' präsentiert in a nutshell, wohin all das proben und umschreiben der letzten jahre geführt hat. eingeleitet von einem klassisch anmutenden gitarrenduett ergießt sich die bleierne schwere von 'the aftermath (of this unfortunate event)', geert, kim und matthijs heben an zum klagegesang (diese vokalharmonien!), und simon treibt und bremst gleich wieder hinter dem schlagzeug. nicht nur die kombination aus akustikgitarren und endlos verhallten gitarren des surfrock lässt an grizzly bear und konsorten denken, sondern auch das spiel mit stop and go zeigt, wohin die reise des genremonsters weird folk geht. kein andauerndes durchgetrommel, keine schlagzeugerische megalomanie, sondern schwellen und vergehen sind hier die devise. plötzlich kommt ein polyrhythmisches taktgewitter um die ecke, da folgt schon der rest der neuen ep: man sieht den herren gerne zu, wie sie bereitwillig vorzeigen, wie viel komplexer und vielschichtiger ihre musik geworden ist. instrumente werden wild durchgetauscht, mal ein mini-akkordeon dazu, mal ein paar streicher aus dem synthesizer, aber immer ausgewogen. erstaunlich, wie die metamorphose von den unendlich minimalisierten anfängen zu mehr bombast geglückt ist. fast ihr gesamtes oeuvre gibt es zu hören, am ende stehen natürlich 'fragile meadow', nur geert und seine ukulele auf der bühne, untermalt vom gesang der bandkollegen. das publikum jubelt, nachdem es das konzert über mitgefühlt und -gelitten hat.
zur zugabe bittet die band in das treppenhaus des feierwerks; man habe da heute nachmittag schon gespielt und gesungen. geert stellt sich auf die oberste stufen, das publikum unten am treppenabsatz. dargeboten wird ein neues stück. während der zweiten strophe schwebt plötzlich ein engelsgesang herab, man ist verwundert, bis man versteht, dass der rest der band ein stockwerk weiter oben mitmusiziert. versöhnlich wie ein schlaflied legt 'rohirrim' eine bunt bestickte decke auf das publikum, das sich glücklich und zufrieden nach hause wiegt.





















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