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Dear Reader22.01.2012 // Hamburg – Kulturhaus

Als ich Dear Reader das erst Mal gesehen habe, hat die Band als Trio aufgespielt. In einem kleinen Plattenladen vor wenigen Leuten. Aufgedreht und aufgeregt, die südafrikanische Heimat hinter sich gelassen und zum ersten Mal auf europäischem Festland. Cherilyn MacNeil wirkte noch ein wenig unsicher und schüchtern.

Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen und vieles hat sich für die Band geändert. Cherilyn MacNeil zog alleine nach Berlin und Dear Reader ist nun mehr ein Projekt mit Freunden, die sich während der Auftritte um Cherilyn auf der Bühne tummeln. Auch wird nicht mehr die südafrikanische Heimat und die Suche nach einer Identität in diesem durch Diversität geprägten Land besungen. Nun geht es um persönlichere Themen einer Frau, die nicht mehr viel mit der zu tun hat, die ich vor einigen Jahren noch in dem kleinen Plattenladen gesehen habe.

Das Haus 73 ist an diesem Abend restlos ausverkauft und einige Besucher werden an der Kasse mit einem mitleidigen Blick abgewiesen. Als Cherilyn MacNeil mit einer Handvoll Musiker gegen halb 10 die Bühne betritt ist nicht mehr viel von dem übrig, was vor ein paar Jahren unter dem Label Dear Reader entstand. Bei den älteren Songs des Debüt-Albums sind zwar die Besucher erquickt, ihr merkt man jedoch an, dass die Spielfreude bei den Stücken ihrer neuen Platte „Idealistic Animals“ liegt. Diese werden im vielseitigen Gewand vorgetragen und unterscheiden sich von den Arrangements auf der Platte gewaltig. Auch die Schüchternheit ist verflogen und so kommuniziert die charismatische Sängerin stets mit dem Publikum, scherzt und gibt die neu-gewonnenen Deutschkenntnisse zum Besten.

Nach einer knappen Stunde verlässt die Band zum ersten Mal die Bühne und da steht Cherilyn MacNeil ganz alleine auf der Bühne nur mit ihrer Gitarre und zupft sanft ein paar Seiten. Ihre Stimme nimmt den ganzen Raum ein und während der ersten Zugaben könnte man eine Stecknadel fallen hören. Als Geigerin, Pianistin, Schlagzeuger und Gitarrist die Bühne erneut zum großen Finale betreten zeigt sich aber auch, dass es sich hier nicht um rein melancholische, ja gar zerbrechliche Stücke handelt, sondern das die Stücke auch druckvoll und energetische geladen sind. Als ich nach dem Konzert die Sängerin beglückwünsche zu ihrem Album und dem Auftritt wirkt Sie dann doch wieder ein wenig schüchtern. Vielleicht haben sich ja ein paar Dinge nicht geändert und Sie kann ihr Lampenfieber besser verstecken. Ein Besuch der noch laufenden Tour ist jedem wärmstens ans Herz gelegt – und eben dieses wird bei diesen bezaubernden Klängen ganz automatisch gewärmt!

22.01.2012 // maximilian
 

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