Einar Stray 10.01.2012 // Nürnberg – Neues Museum
Dass nach den recht ereignisarmen Feiertagen die ersten größeren Konzerte eines neuen Jahres stets verhältnismäßig gut besucht sind, ist mittlerweile beinahe zu einer Tradition geworden. Wie viele Zuschauer allerdings zum Auftritt des jungen Norwegers Einar Stray, dessen Debütalbum “Chiaroscuro” bei uns offiziell noch gar nicht erschienen ist, ins Neue Museum strömen, ist dann dennoch sehr beeindruckend. Der 21 Jahre alte Pianist und Songschreiber, der bereits im vergangenen August als Mitglied der Band seines Landsmannes Moddi bei Folk im Park in Nürnberg gastierte, wurde zwar in den letzten Wochen mit Lob geradezu überschüttet und mit allerlei arrivierten Bands verglichen, aber den meisten anderen dürfte es trotz dieser Vorschusslorbeeren nicht gelingen, mehr als doppelt so viele Musikfreunde anzuziehen wie zum Beispiel die dank des ehemaligen Sparklehorse-Gitarristen Adam Wiltzie wesentlich prominenteren A Winged Victory For The Sullen vor ein paar Monaten an gleicher Stelle.
Ein ausverkauftes Haus, eine eindrucksvolle, in warmes Rot getauchte Kulisse und eine enorme Erwartungshaltung seitens des Publikums - an sich für eine so junge und noch relativ unerfahrene Band Grund genug, weiche Knie zu bekommen. Von Nervosität oder gar einem leichten Anflug von Panik ist bei Einar Stray, der nach einem kleinen Unfall in Bayreuth zum Glück wieder wohlbehalten am Klavier sitzt, und seinen vier Mitmusikerinnen und -musikern, jedoch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Trotz der unbändigen, jugendlichen Spielfreude wirkt alles perfekt aufeinander abgestimmt und fast schon routiniert. Die Songs - darunter sämtliche Stücke von “Chiaroscuro” - sind live weniger opulent und vielfältig instrumentiert als auf der Platte, kommen aber noch eine Spur druckvoller daher, was nicht zuletzt an den recht ungeschliffen zu Werke gehenden Simen Aasen (Bass) und Lars Fremmerlid (Schlagzeug) liegt, die einen exzellenten Kontrast zum warmherzigen Sound von Ofelia Østrem Ossum (Cello), Hanna Furuseth (Violine) und dem sensiblen Genie Einar Stray selbst bilden.
Für die wunderbare erste Zugabe “Arrows” dürfen schließlich noch einmal die Vorband Me And My Drummer sowie der freundliche Busfahrer Lee mit auf die Bühne, bevor der großartige Abend wieder in Quintettstärke mit dem gut zehnminütigen “Teppet Faller” endgültig beschlossen wird. Jetzt schon vom Konzert des Jahres zu sprechen, wäre natürlich Unsinn, aber wenn Nürnberg in den kommenden zwölf Monaten eine Handvoll ähnlich gelungener Konzerte erlebt, war 2012 ein sehr gutes Musikjahr.





















Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.