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Black Lips13.12.2011 // Berlin – Lido

narrenfreiheit herrscht im regelfall allerhöchstens an ausgewählten terminen im jahr und wenn die sehnsucht danach ruft den normalen alltagsrahmen zu sprengen. da bei den black lips aber für gewöhnlich nichts normal ist, erlaubt sich die band diese selbst auferlegte narrenfreiheit jeden tag auf's neue auszuleben und sich an ihr zu erfreuen. so auch bei ihrem letzten besuch in berlin, bei dem schon kurz nach beginn der show der ausnahmezustand winkte, weil das publikum sich höchst ausgelassen und ohne hemmungen zeigte.

beim letzten tourstopp in der hauptstadt glich der veranstaltungsort nach dem abenteuerlichen auftritt des quartetts einem bombeneinschlag, bei dem nicht einmal davor zurückgeschreckt wurde den fans vom balkon aus auf die häupter zu pinkeln. dieses mal ging es dann, zumindest von bandseite aus, doch eine nummer züchtiger zu und man hätte fast meinen können, die herrschaften hätten seit ihrem letzten besuch ein paar verhaltensregeln studiert. und das, obwohl hochprozentiges in regelmäßigen abständen die kehlen hinunter floss, die musikalische energie keinesfalls gezügelt wurde und stets ein hauch von krawall in der luft lag. mangelte es den black lips in der vergangenheit an shows, die frei von chaos waren, spielten sich allenfalls vor der bühne des berliner lidos tumultartige szenen ab, während die band sich größtenteils auf das spielen konzentrierte und, überraschenderweise, nicht durch wilde aktionen auffiel.

das konzert setzte ein deutliches zeichen dahingehend, dass es der band auch einmal genügte den fans das zepter zum ausflippen in die hand zu geben, ohne selbst durch maßloses verhalten aufzufallen. das publikum nahm dieses angebot dann auch dankend an und demonstrierte mit viel ausdauer, temperament und leidenschaft, dass es von seinen vorbildern aus atlanta gelernt hatte. stürmisch geriet die menge mit jedem neuen song in bewegung und schien jeden ton und jede ansage mit einem noch mehr in die höhe geschnellten puls zu begrüßen. einmal damit angefangen, wurde das stage-diving bald zum unerlässlichen ausdruck der heiteren fans und so gaben sich wenig später selbst die roadies geschlagen und beobachteten das schauspiel mit hochgezogenen mundwinkeln.

die band gab sich dagegen eher cool, machte den weiblichen fans komplimente und beäugte den stets drohenden wahnsinn mit mindestens einem wahsamen auge. in musikalischer hinsicht konnten sie dadurch jedenfalls pluspunkte einfahren, denn ohne das gewohnte über-die-stränge-schlagen der bandmitglieder, mauserten sich sowohl alte bekannte, als auch die songs von ihrem letzten album "arabia mountain" zu wahren geschossen, die die erhitzte atmosphäre noch ein stück mehr zum brodeln brachte. spätestens wenn "bad kids" durch die verstärker schallt, will man teil einer jugendgang werden und "all my friends are bad kids, just like you and me" zum allgemein gültigen leitspruch ausrufen. nach den obligatorischen zugaben war für die band aber noch lange nicht schluss, sondern allenfalls die aufwärmphase für die folgende aftershow party abgeschlossen, die lauthals im raum verkündet wurde. einladung an das enthusiastische publikum inklusive - ebenso, ausnahmezustand teil zwei.

13.12.2011 // annett
 

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