City Slang Christmas Ball 201105.12.2011 // Berlin – Lido
alle jahre wieder steht weihnachten vor der tür, doch mit fest gefrorenen füßen auf den weihnachtsmärkten, plätzchen backen und glühwein-abenden sieht das programm meistens gleich aus. wem in der vorweihnachtlichen zeit der sinn nach etwas anderem stand, aber nicht den weihnachtsmuffel rauskehren wollte, der war beim city slang christmas ball in berlin daher in allerbesten händen. das label lud mit einem hauseigenen programm im berliner lido zum gemütlichen beisammensein und ließ sich in sachen line-up nicht lumpen. mit den fruit bats, cherilyn macneil (dear reader), matthew caws (nada surf) und dan mangan fanden gleich vier musikalische bonbons den weg in die hauptstadt und wurden in ausverkaufter kulisse mit den ohren ausgewickelt.
wie es sich für ein fest gehört, war die bühne feierlich mit lichterketten geschmückt und das publikum reckte neugierig die hälse als die fruit bats die bühne erklommen. diese legten dann auch ohne mit der wimper zu zucken los und spielten sich durch ein set, das als aufwärmphase für alles folgende gelten sollte. die ersten füße regten sich im takt, die band spielte sichtlich mit elan und wirkte ganz in ihrem element.
ewas mehr besinnlichkeit versprach dagegen das set von cheriilyn macneil von dear reader, die sich mit weihnachtszipfelmütze auf dem kopf und einer weiblichen begleitung an ihrer seite sogar an weihnachtsklassiker wie “walking in a winter wonderland” oder das obligatorische “last christmas” wagte. natürlich sollte das set aber nicht nur aus altbekannten cover versionen bestehen, sondern auch eigeninterpretationen bieten, die nur mit der akustikgitarre im schlepptau auch vollends glückten und den auftritt abrundeten. den höhepunkt der show lieferte dann der gastauftritt von lambchop-frontmann kurt wagner, der zum geselligen duett mit cherilyn einen platz auf der bühne einnahm und trotz seines ins gesicht gezogenen basecaps ohne großes rätselraten oder einer ausführlichen vorstellung vom wachsamen publikum erkannt wurde.
trotz der reihe an musikern, die nach und nach die bühne für sich einnahmen, wirkte das programm zu keiner zeit wie eine fließband-produktion, was wohl zum größten teil am abwechslungsreichtum der künstler und ihrer darbietungen lag. mit matthew caws von nada surf, der ohne seine beiden bandkollegen die reise nach berlin angetreten war, bekamen die fans bereits einen ersten vorgeschmack auf das ende januar erscheinende nada surf album “the stars are indifferent to astronomy”, von dem sich songs wie “looking through”, “clear eye clouded mind” oder “teenage dreams” auf der setlist wiederfanden. der sehr gut aufgelegte matthew caws wusste die heitere note des abends dann mit einigen amüsanten geschichten anzureichern. so verkündete er, dass er bei der zusage zum konzert eigentlich eher an eine weihnachtliche büro-party des labels gedacht hatte, bei der sich alle anwesenden guter dinge dem alkohol zuwenden würden.
um das bar-treiben anzukurbeln, verteilte er dann auch gleich eigens getränke-gutscheine und sinnierte über einen vergangenen auftritt, bei dem er die bei sich geführten betablocker mit einer schlaftablette verwechselte und das darauf folgende konzert kaum mehr stehend hinter sich brachte. von ähnlichen eskapaden wurde der berliner auftritt zum glück verschont und publikumslieblinge wie “always love” oder “blankest year” verursachen höchstens positive nebenwirkungen. in guter alter rauschmeisser-tradition verleitete letzteres alle anwesenden sogar zum unermüdlichen “fuck it, I’m gonna have a party” mitsingen, womit die atmosphäre des abends eindeutig besiegelt und in wortform ausgesprochen wurde.
letzer im bund der weihnachtlichen city slang sause war dann dan mangan aus kanada, der mit band im gepäck vor allem songs seines neu erschienenden albums “oh fortune” zum besten gab und im sekundenschnelle auf gegenliebe auf seiten der zuschauer stieß. mit großem eifer packte die band ihre songs an und letztendlich auch die fans, die sich als sehr textsicher und von der musik angetan zeigten. es schien fast so, als hätte dan mangan die menge im saal erobert bevor er überhaupt richtig losgelegt hatte. dafür waren weder schmeichelnde ansagen, noch eine große show nötig. allein das sehr harmonierende zusammenspiel der musiker bewirkte, dass sowohl der spaßfaktor auf als auch vor der bühne mit jedem song um eine weitere stufe nach oben kletterte. dabei wurden akustische, solo vorgetragene songs ebenso wohlwollend aufgenommen wie die großen, intensiveren stücke, deren natur es erforderte, dass die einst verspürte ruhe einer größeren ausgelassenheit wich.
wäre es nach dem publikum gegangen, hätte dan mangan wohl noch die ganze nacht seine songs im lido vorgetragen, aber auch er selbst schien die bühne nicht so recht verlassen zu wollen und wenn dann nur in richtung der fans. gegen ende des sets spielte er daraufhin inmitten der zuschauer, die nicht nur seiner musik, sondern auch wahrlich im selbst zu füßen lagen, da dieser auf einem wackeligen stuhl alle anwesenden zuschauer überragte, sie zu seinem backing-chor machte und mit sanfter hand durch den song dirigierte. eine aktion, die gut und gerne in die hose gehen kann, aber an diesem abend mehr als glückte und rege beteiligung fand, wofür es vom sichtlich beeindruckten dan mangan hinterher ein großes lob hagelte. im april wird er wieder in deutschland vorbeischauen und mit ziemlicher wahrscheinlichkeit erneut einen solch bemerkenswerten auftritt bestreiten. hand drauf.





















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