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Die Goldenen Zitronen13.07.2007 // Kammerspiele München

Immer diese Widersprüche

die linken, anti-kapitalistischen, alten punkrocker der goldenen zitronen spielen an den münchner kammerspielen, inmitten der luxuseinkaufsmeile maximilianstrasse, wo sich ein konsumtempel an den nächsten reiht. der sound ist satt, die band guter stimmung, das publikum verhalten aber freudestrahlend. ein rundherum schöner abend an einem ort mit provokantem potential.

da spielt also eine band, die sich als moralist versteht und mit der aus ihrer sicht folgerichtigen botschaft: "Wir leben im Falschen." zitronen-musik ist immer auch auseinandersetzung und steht auf den säulen ideologie und provokation. im hintergrund der bühne steht etwas, was wie eine wolkenwand wirkt und nebel darstellen soll. nebel, den es zu durchschauen gilt. rechts, ein paar schritte davor, das cover der aktuellen platte "lenin". dann das mitgebrachte equipment der band. Es könnte durchaus auch zu einer elektrorock-combo gehören. den goldenen zitronen ist der sprung ins hier und jetzt, ohne sich irgendwo anbiedern zu müssen, offensichtlich gut bekommen.

sie sind akteure auf einer bühne und tragen teilweise lederjacken verziert mit parolen wie "search and destroy". an leicht ergrauten männern könnte dies lächerlich wirken. wären es nicht die goldenen zitronen, jene band die seit einer halben ewigkeit musik macht, (gegen-)positionen kundtut, aneckt und stilvoll altert, sowie eine unmissverständliche vorstellung von gut und böse hat. ein neues album ist somit immer auch ein update ihrer grundsätze. und wie bei der traditionellen linken üblich, können bisweilen die konturen ein wenig verschwimmen.

ihre musik ist allerdings keine begleitmusik für einen werbespot, sicher auch, weil die songs nicht gerade hohes "mitsing-potential" haben.

live wirken die zitronen-songs, wie auf dem datenträger zuhause, rundherum gelungen und griffig. sie spielen ihre musik leidenschaftlich und das organ der band, schorsch kamerun, liest einige texte bemüht wirkend, aber gekonnt vor. die band rotiert an den instrumenten, dass kollektiv funktioniert. alles schön anzuhören und anzusehen. man scheint sich an den kammerspielen zuhause zu fühlen. schorsch kamerun lebt mittlerweile wohl auch eher vom theater als von der musik oder dem golden pudel club in hamburg. seine feuilletonistisch hinlänglich abgenickten theater-engagements von berlin bis zürich über hamburg und münchen lassen den auftritt seiner band im rahmen des "brandherde wochenendes" an den münchener kammerspielen passend gewählt erscheinen. und tatsächlich: jene bühne, die ihm für die erforschung des grenzgebiets zwischen mainstream und punk in seiner inszenierung "macht und rebel" und der wirklich fantastischen arbeit "die logik der anpassung" eine plattform bietet, ist ein interessanter konzert-standort. so beginnt der hauptsächlich von theaterschaffenden gefüllte raum beim "flimmern" noch mal zu köcheln. nein, es wurde nicht randaliert, die stühle blieben in der verankerung. keine g8-proteststimmung. das potential blieb ungenutzt. hier und heute abend im schauspielhaus der münchner kammerspiele waren alle die guten.

13.07.2007 // thomas
 

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