Scott Matthew06.12.2011 // Nürnberg – Künstlerhaus (Festsaal)
Am Nikolausabend zu Scott Matthew oder doch lieber auf den Christkindlesmarkt? Auf den ersten Blick eine schwere Entscheidung, bei genauerer Betrachtung aber eben doch nicht. Als echter Franke überlässt man den Weihnachtsmarkt lieber den Zugereisten oder Touristen und zur Not lässt man sich von durchreisenden Musikern erzählen, was man so verpasst, wenn man nicht in der “Stadt aus Tuch und Holz” vorbeischaut. Laut Clara Luzia, die den Abend im nahezu ausverkauften Festsaal eröffnet, sind das vor allem Würstel, die in Nürnberg in verschiedensten Größen und in rauen Mengen feilgeboten werden - ganz anders sei da die Situation auf den Märkten in Wien, wo eher die “Socken- und Haubenfraktion” vertreten ist.
Doch nicht nur weihnachtsmarktspezifische Betrachtungen hat die Österreicherin, völlig zu Recht eine der meistbeachteten Stimmen der blühenden Singer/Songwriter-Szene des Landes, zu bieten, sondern vor allem auch eine ganze Reihe exzellenter Songs. Dem Anlass entsprechend und dem Umstand geschuldet, dass sie ohne Band auftritt, sind dies vor allem leisere, melancholische Stücke aus ihrem mittlerweile vier Alben umfassenden Repertoire, wobei auch auf das forschere “Love In Times Of War” (“Mir tut es jetzt schon Leid, dass ich manchmal schreien muss.”) vom aktuellen Longplayer “Falling Into Place” nicht verzichtet wird. Am Ende eine kurzweilige halbe Stunde und ein perfekter Einstieg in einen wunderbaren Konzertabend, der schließlich von Scott Matthew und seinen beiden Mitmusikern Sam Taylor (Gitarre und Cello) und Eugene Lemcio (Bass und Keyboard - Konzertflügel wie in anderen Städten scheint es in Nürnberg nicht zu geben) gekrönt wird. Der bärtige Australier mit der Ukulele spielt nahezu sein gesamtes aktuelles Album “Gallantry´s Favorite Son”, wobei das Geburtstagsständchen “Felicity” (für dessen Fröhlichkeit er sich in aller Form entschuldigt), das tatsächlich als Duett mit Sam Taylor vorgetragene “Duet” und der erstaunlich leichtgängige Protestsong “No Place Called Hell”, mit dem er jüngst dem Pfarrer der Kölner Kulturkirche keine rechte Freude bereitete, aus dem Meer von Traurigkeit herausstechen. Flankiert werden die neuen Stücke von den älteren Liedern “Friends & Foes” (“A song about hope. Yes, I do have hope.”), “Community” und “In The End” sowie zahlreichen sympathischen Anekdoten, die Scott Matthew mit einem ebenso liebenswerten wie dreckigen Lachen zum Besten gibt, womit er selbst den tristesten seiner Songs die Schwere nimmt.
Letzten Endes, so merkt er vor “Little Bird”, der ersten von drei Zugaben (später folgen noch “Upside Down” und das brandneue “Palace Of Tears”), an, seien doch alle seine Lieder in gewisser Weise Lovesongs. Schwer zu sagen, ob man diese Ansicht tatsächlich teilen möchte - die Zuneigung des erfreulich aufmerksamen Publikums, das Scott Matthew verdientermaßen begeistert feiert, ist ihm jedenfalls sicher.





















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