Bon Iver06.11.2011 // Hamburg – Docks
Ein kleiner, gemütlicher Saal, am besten Sitzgelegenheiten: So stelle ich mir das perfekte Bon Iver Konzert. Zumindest wenn man mal das jüngst veröffentlichte Album vergisst. Denn Bon Iver, das war für mich immer der bärtige Mann mit der Gitarre, der eben in kleine, gemütliche Säle gehört und nicht in große verrauchte Hallen. Und so grüble ich schon auf dem Weg zum Hamburger Docks, was mich denn nun erwartet. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es, dass Justin Vernon mit neun-köpfiger Band auftritt. Komisch. Aber oft kommt ja alles anders als erwartet, und so soll ich auch an diesem Abend eines besseren belehrt werden: Bon Iver kann auch mit großer Live-Band gut klingen.
Im Docks steht die Luft, das Konzert war schon im Vorfeld restlos ausverkauft. Pünktlich tritt die Band die Bühne und um Sympathiepunkte zu sammeln hat Bon Iver sich in ein St.Pauli T-Shirt gezwängt. Wäre wahrscheinlich nicht nötig gewesen, denn ab dem ersten Akkord hängen alle Augenpaare der Hamburger Publikums an seinen Lippen und säuseln elektrisiert jedes Wort mit.
Und dann zeigt Vernon mit seiner Band, dass sich gerade sein neues Album für eine Live-Performances eignet. Die Songs werden adaptiert und in Band-Gewand gepackt. Es hagelt Chöre und Gitarren untermalt von einer Licht-Show, die die Besucher für einen kurzen Moment in eine andere Welt entführt. Das ganze ist – wie hätte man es auch anders erwarten können – perfekt bis ins letzte Detail und jeder Handgriff sitzt so, als hätte Vernon nie alleine Musik gemacht und sich stets in einem Musikerkollektiv befunden. Ab und an gibt es Gitarrensolos, dann auch mal wieder eine Beatbox. Wer mit „For Emma, Forever Ago“ eingestiegen ist und dem Künstler folgte, war wohl ein bisschen enttäuscht. An der emotionalen Intensität mangelt es jedoch nicht. Und so wird die Emotion nun druckvoll und nicht mehr so zerbrechlich verpackt und es folgen ekstatische Parts in denen man von der Soundwand fast erdrückt wird. Bon Iver lässt es sich natürlich nicht nehmen „Emma“ als „Solo-Künstler“ zu performen und als das Konzert dann nach rund 70 Minuten vorbei ist, kann man unterzeichnen, dass Bon Iver eben auch auf großer Bühne mit Live-Band funktioniert. In einem kleinen Saal nur mit seiner Gitarre würde ich ihn aber doch auch gerne mal sehen.





















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