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John Vanderslice 22.09.2011 // Berlin – NBI

am liebsten hätte john vanderslice für seine diesjährige tour ja sein geliebtes magik*magik orchestra mit nach europa genommen, das auch an seinem letzten album "white wilderness" mitwirkte. doch wer als musiker finanziell nicht gerade in der liga der ganz großen mitspielt, kann solche wünsche leider nicht in die tat umsetzen und muss sich nach einer anderen lösung umsehen. nichts leichter als das, denn john vanderslice wusste sich auch ohne starkes ensemble zu helfen und drehte den spieß einfach um. aus der langen reihe an mitwirkenden für das album wurde live auf der bühne ein zwei-mann-orchester, das mit großem eifer mit gitarre, schlagzeug und keyboard hantierte. das do-it-yourself-prinzip, wie es simpler nicht umgesetzt werden könnte, dessen klangliches ergebnis jedoch weitaus mehr als einfache gestrickte arrangements offenbarte.

so ganz wollte "jv" dann aber doch nicht auf sein magik*magik orchestra verzichten und so trug er es den ganzen abend über in großbuchstaben für alle sichtbar in textilform auf seiner brust. das set stürzte sich zwar überwiegend auf songs der alben "cellar door" und "emerald city" und umging somit zum teil den konflinkt ohne vorhandenes orchester neuinterpretationen zu liefern, aber gleichzeitig erlaubte es beiden musikern spannungsreiche und dynamische momente am laufenden band zu erzeugen. aus der not wurde eine tugend gemacht und selbst weniger bissige stücke wurden dank verzerrter gitarre und rhythmisch aufwendigen schlagzeug-passagen zu deutlich gewichtigeren songs umgestaltet.

zwischendurch hagelte es immer wieder humorvolle anekdoten und spontane geschichten, deren inhalte das pubikum erheiterten und den konzertabend abrundeten, wie man es von john vanderslice gewohnt ist. so erzählte er vor "promising actress" von einer aufnahme-session in seinem tiny telephone studio, bei dem der praktikant von einem künstler gezwungen wurde das studio zu verlassen, damit dieser ungestört seine "revolutionäre akkordfolge" aufnehmen konnte, die sich hinterher jedoch als völlig banales blues-riff entpuppte. eine eigenschaft, die john vanderslice als musiker, aber auch als mensch auszeichnet ist, dass er es bestens versteht geschichten zu erzählen.

auch wenn die beiden hauptakteure auf der bühne bei dem ein oder anderen song ins schwitzen kamen, wollten sie sich nicht frühzeitig ein bier zur abkühlung gönnen, da sie auswirkungen auf ihr spiel befürchteten. mit gewissenhaftem blick auf die setlist wurde also abgewartet bis die wirklich schwierigen songs vorüber waren. nach dem regulären set zog es beide musiker dann noch zum krönenden abschluss hinaus in den innenhof, in dem sie akustisch und in völliger dunkelheit drei weitere songs zum besten gaben. das publikum dankte es ihnen, indem es ihnen gesanglich bei "time to go" und "white dove" beherzt unter die arme griff. schön, wenn es künstler vermögen mit einfachen mitteln zu begeistern und ihre spielfreude für alle anwesenden spürbar in der luft liegt, gar ansteckend wirkt und zum mitmachen animiert.

22.09.2011 // annett
 

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