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Reeperbahn Festival 201124.09.2011 // Hamburg – verschiedene Locations

Rappelvolle Clubs, tolle Bands, Gedränge auf der ganzen Reeperbahn, Spontan-Gigs auf dem Bürgersteig und gute Laune, das ist das Fazit des diesjährigen Reeperbahnfestivals 2011.

Das es richtig voll werden würde, war spätestens in dem Moment klar, als es hieß: Donnerstag ausverkauft! Der erste Tag des Reeperbahnfestivals begann also schon mal mit megavollen Clubs und Daueranstehen. Aber erst mal ein bisschen auf dem Spielbudenplatz umsehen und schauen, was die Unplugged Sessions so hergeben. Kanadische Künstler wetteifern mit israelischen Künstlern um die Gunst des Publikums, alles ein bisschen ruhiger und sanfter. Schön, uns aber für den Auftaktabend zu ruhig.

Also weiter in die Prinzenbar, um die belgischen The Tellers zu sehen. Allein die Prinzenbar ist ja schon einen Ausflug wert, man fühlt sich wie in einer stuckverzierten Höhle, die Lightshow macht ihr übriges und was The Tellers mit ihrem Frontman zum Besten geben, kann sich hören und sehen lassen. Rockig, poppig, flockig – gute Laune-Musik eben.

Weiter geht es ins Molotow, einen der angesagtesten Clubs auf der Reeperbahn, vom Abriss bedroht, dabei hat doch dieser kleine Clubs stets den richtigen Riecher für die kommenden Shooting-Stars. French Films könnte so einer werden. Ein bisschen The Cure klingen raus, aber was die Finnen da leisten, das ist was ganz eigenes und lebt von Rhythmen und Beats. „Lift me up“ oder „Convict“, da kommt man schon ein bisschen ins Schwärmen und eigentlich würden wir auch gerne noch ein bisschen weiter träumen, wenn denn der Auftritt der Jungs aus Helsinki leider nicht zu Ende wäre.

Tim Bendzko ist der nächste Höhepunkt. In eherer gesetzterer Atmosphäre (nix mit Stehen, Bestuhlung ist angesagt) im Schmidts Tivoli, wird erst mal vom NDR2-Anheizer auf Stimmung gemacht. Muss aber gar nicht sein, denn das überwiegend von Frauen besetzte Publikum grenzt sowieso schon an Ekstase in Anbetracht von Tim, der wohl hoffentlich gleich auf die Bühne kommt. Liveschaltung mit NDR2 steht und da kommt er auch schon, der, der die Welt retten will. Der Berliner Tim Bendzko, gerade mal 26 Jahre jung, superlocker drauf, weiss sein Publikum schon mit den ersten Takten in den Bann zu ziehen. Und recht hat er, vergesst all’ die Vergleiche mit Xaiver Naidoo, Tim Bendzko hat zwar die Charisma von Naidoo, aber dessen spiritueller Ansatz geht ihm völlig ab. Nichts Weltfremdes kommt da rüber, sondern einfach nur ein bisschen aus dem Leben geplaudert, nachdem man 148 Tausend 713 Mails gecheckt hat. Zwischendurch noch ein bisschen von Dirty Dancing geschwärmt und bevor die Damen fast vollends ihre Fassung verlieren, ist er auch schon wieder weg und hinterlässt uns ins richtig guter Partylaune.


Freitag, Tag 2: Erstmal ein bisschen schlendern über den Spielbudenplatz und die Arts-Ausstellung bewundern. Tolle Poster sind dabei, bisschen Kitsch, aber egal, hier auf dem Reeperbahnfestival hat und findet alles sein Plätzchen.

Der HSV spielt und in Hamburg dreht sich dementsprechend nicht nur alles ums Reeperbahnfestival, sondern auch um den Fußball. Also HSV gucken in der Tankstelle, der Fan-Kneipe der Supporters, die mitten im St. Pauli-Kiez liegt (das muss man sich mal vorstellen: eine Offenbacher-Fan-Kneipe bei der Eintracht im Riederwald – unvorstellbar). Na, was soll ich sagen:.... AUSWÄRTSSIEG und die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Reeperbahn Festival 2011

Na, dann mal los, die Bands checken. Schon wieder landen wir im Molotow und was da heute abgeht....meine Fresse, die englischen The King Blues spielen, aber wer jetzt denkt – ok Blues, langsam, langweilig, falsch gedacht. Als erstes fliegt mir erst mal ein übereifriger Fan vor die Füsse. Ob betrunken oder einfach nur völlig losgelöst – nobody knows, interessiert aber auch keinen, denn was da auf der Bühne passiert, ist laut und lebendig, Die sind richtig gut, machen tolle Musik zwischen Punk und Ska, da stört es auch nicht, das man manchmal nicht weiss, wer da oben singt, ob einer aus dem Publikum oder der Sänger der Band. Hört Euch einfach mal „Save the World, get the Girl“ oder das Album “Punk and Poetry” an.

Reeperbahn Festival 2011

Und dann......endlich: THE RIFLES. Was habe ich mich auf die Band gefreut. Die Briten, die in den Docks, übrigens toller Rahmen für diese Band, „Piece and Quite“ singen, eine Hymne fast! Wen wundert’s da, das das neueste Album „Freedom Run“ der Jungs aus London von The Verve-Produzenten Chris Potter aufgenommen wurde. Die erste Singleauskopplung, „Tangled up in Love“, darf demnach auch auf der Reeperbahn nicht fehlen, und das ist eine durchaus nette Produktion, mir persönlich aber zu kommerziell. Trotzdem, die Tournee Ende 2010 in UK, bei der The Rifles als Vorband von Paul Weller, dem Modfather, zu hören waren, zeigen nur einen Weg: den ganz nach oben in den Britpop-Himmel!

Samstag, dritter und letzter Tag des Reeperbahnfestivals.

Typischerweise ist die Reeperbahn samstags noch voller als voll. Unter die Massen der Reeperbahnfestival-Besucher mischen sich jetzt auch noch gefühlte 3,4 Millionen Junggesellenabschiede, da ist ein Durchkommen kaum mehr möglich.

Reeperbahn Festival 2011

Also erst mal weg von der Reeperbahn und ab ins Knust, direkt gegenüber vom St. Pauli Millerntor-Stadion gelegen. Dort spielen Airship aus dem Vereinigten Königreich – natürlich aus der Musikhochburg der britischen Indie-Musik, Manchester. Laut, aber gut. Auszüge aus dem neuen Studioalbum „Stuck in this Ocean“ hören wir genauso wie bekannterer Stücke, z.B. „Algebra“ oder „So after all“. Mir gefallen die Briten, ihr stimmiger Mix aus Bass, Gitarre und Schlagzeug klingt gut, noch besser als der eigentliche Frontman singt jedoch der Bassist. Ist meine Meinung.

Eigentlich wären die Nächsten auf der Liste Fixers und Flashguns, natürlich im Molotow, aber aufgrund der Wahnsinnsmenge Mensch, die da auf Einlass warten, vergessen wir das ganz schnell.

Reeperbahn Festival 2011

Letzte Station ist Frittenbude.

Der Mittelfinger für Hamburg. Klares Statement von Sänger Johannes Rögner. Warum? Ein kleines Fleckchen Erde, das die Obdachlosen als Nachtlager auserkoren hatten, wurde von den Stadtobrigen mit Brettern vernagelt und zusätzlich geflutet. Also, der Mittelfinger für Hamburg. Ob es die Verantwortlichen stört – keine Ahnung, ist auch egal, Frittenbude kommt aus Landshut und ist nach ihrem Gig sowieso wieder weg. Jetzt aber zur Musik. Die Frittenbude ist ja schon sowas wie ein Stammgast auf dem Reeperbahnfestival. Diesmal in der Großen Freiheit, ihr wisst schon, Kultstatus wegen Hans Albers. Damit haben die von der Frittenbude aber nichts am Hut. Elektro-Pop vom Feinsten, „mindestens in 1000 Jahren“ muss man einmal wenigstens live gehört haben, es fliegen die Becher, es wird getobt, was das Zeug hält. Gesellschaftspolitische Texte, mitreißende Beats und das alles unter dem Dach von Audiolith. Anarchie meets Elektro meets Punk = Frittenbude.

Reeperbahn Festival 2011

The Specials in Hamburg

Als ob drei Reeperbahntage nicht schon genug wären, ging es Sonntag Abend doch noch mal los zur Großen Freiheit. The Specials, die legendäre Ska-Gruppe, die sich aus Bandmitgliedern von Fun Boy Three formierten, gaben ein Konzert und wer will sich das schon entgehen lassen! War es auf der Reeperbahn voll, weiss ich wirklich nicht, wie ich den Zustand beschreiben soll, der uns in der Großen Freiheit bei den Specials erwartete. Halb-England war da und mischte sich unter die deutsche Ska-Szene. Kleidertypisch selbstverständlich. Und mit ein bisschen Verspätung waren dann auch die in die Jahre gekommenen Specials auf der Bühne. Nur optisch, rein musikalisch war kein Greisentum zu erkennen, es wurde getanzt, gefeiert, das Publikum mit Wasser und Bier versorgt, die größten Hits wie „Concret Jungle“ und „Gangsters“ wurden selbstverständlich unter Begeisterungsrufen des Publikums gespielt und die Große Freiheit verdiente ihren Namen an dem Abend zu recht. Toller Auftritt, tolles Programm, danke Specials!

Das Reeperbahnfestival fand zum 6. Mal vom 22. bis 24. September 2011 in Hamburg statt. Über 200 Bands in rund 40 Locations lockten rund 18.000 internationale Besucher an.

24.09.2011 // michaela (Gastbeitrag)
 

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