Dockville Festival 201114.08.2011 // Hamburg – Wilhelmsburger Halbinsel
Manche Vorurteile über Hamburg stimmen doch. Und so bestätigte sich am vergangenen Wochenende das Vorurteil, dass es in Hamburg „so gut wie immer regnet“. Das hielt die feierwütigen Massen jedoch nicht davon ab nach Wilhelmsburg zu pilgern und ihre Zelte auf dem vom Schlamm überzogenen Festivalgelände aufzubauen. Nicht nur der Blick aus dem Fenster auf die verregneten Straßen, sondern auch der Blick auf die offizielle Homepage offenbarte nichts Gutes. Eine Bühne komplett geschlossen, Festivalstartschuss erst um 15 Uhr. In den Backstageräumen des Festivals ist Hektik angesagt, doch das Dockville wäre nicht das Dockville, wenn solche Probleme nicht leicht bewältigt werden können. Und auch der knöchelhohe Schlamm ist längst vergessen, als gegen Mittag endlich die ersten Bühnen bespielt werden.

Und so stampfen Hunderte zu den Klängen von Dunkelbunt und Johnossi bereits am Freitag Nachmittag begeistert im Schlamm. Während das Programm am Mittag noch gitarrenlastig ist, sind gegen Abend die ersten elektronischen Klänge zu vernehmen. Dass das Dockville sich nicht an einem Musikgenre festbeißt, macht dieses Festival einzigartig und zieht jedes Jahr mehr Besucher in seinen Bann. Bei Egotronic gibt es schon fast kein Halte mehr und als Marteria gegen 23:00 die Bühne entert, werden auch schon bereits die ersten Versuche gewagt im Schlamm auf und ab zu springen. In der Nacht vergnügen sich dann die Tanzwütigen bei Kollektiv Turmstraße, die anstatt im Maschinenraum, die große Bühne des Festivals bespielen. Leider ein wenig zu leise, aber man möchte eben nicht das Ordnungsamt bei sich auf dem Gelände stehen haben – das Dockville liegt eben in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes.

Auch am Samstag stehen zu früherer Stunde die ersten Indie-Bands auf den vielen großen und kleinen Bühnen und so begeistern Beat! Beat! Beat! und Blackmail, nun bei kurzweiligem Sonnenschein die Massen. Am frühen Abend gibt dann Hype-Sternchen Casper sich die Ehre und bringt die Fläche vor der Hauptbühne zum Beben. Mit gewagten Einlagen – wie zum Beispiel einem Nevermind-Medley – gewinnt er schnell das Publikum für sich. Ebenso Bodi Bill, die zeitgleich feinste elektronische Musik zum Besten geben. Später überzeugen dann Crystal Castles mit einem Auftritt der die ersten Reihen vor der Bühne buchstäblich zum Ausrasten bringt. Santigold und die Bloody Betroots krönen den Samstag mit ihren elektronischen Darbietungen. In der Nacht findet man dann noch Leckerbissen der besonderen Art: Mit den Elektropionieren Mount Kimbie und Deichkind-DJ DJ Phono wird dem Publikum noch Elektronik auf Weltklasseniveau geboten. Die Party geht bis in den frühen Morgen. Und der Wettergott spielt auch mit.

Am Sonntag sind dann die Füße vom Matsch-Warten schwer und so endet das Festival gegen 22:00 Uhr. Vorher gibt es aber noch grandiose Auftritte von Noah and the Whale, Edward Sharp & the Magnetic Zeros und Kante, die bei ihrem Heimspiel absolut überzeugen und zum letzten Mal ein wenig Energie aus den Festivalbesuchern kitzeln. Beim Headliner ...Trail of Dead macht sich dann Müdigkeit breit und die Festivalbesucher pilgern brav zu Zelt oder ins Zentrum Hamburgs.
Durch das schlechte Wetter ist in diesem Jahr leider ein wenig vom hippieesken Flair des Festivals verloren gegangen und ein Teil der Kunstaustellungen und somit (im wahrsten Sinne des Wortes) untergegangen. Dennoch ist und bleibt das Dockville ein unvergleichbares Festival, vor wunderschöner Kulisse mit einem noch schöneren Publikum und voller Überraschungen. Im nächste Jahr wieder – nur dann ohne Regen.
Weitere Fotos gibt es hier.





















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