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Puschenfest 201104.08.2011 // Berlin – Festsaal Kreuzberg

wer den weg nicht von alleine in den festsaal kreuzberg fand, der wurde dank der zahlreichen regenschauer vor der tür von ganz alleine hinein gespült. wie passend, dass auch das line up am ersten der zwei tage zumindest von namen her ein wenig maritim anmutete. während draussen noch der regen plätscherte, sprudelten im trockenen die töne nur so aus den lautsprecherboxen und drei acts machten sich guter dinge daran dem publikum die geballte unterhaltung zu präsentieren. nur wenn einem der schweiss vom vielen tanzen von der stirn tropfte, dann war man eindeutig auf der musikalischen welle mitgeschwappt oder hüpfte vermutlich gar im takt obenauf.

alle zuschauer, die noch vom regenwasser tropfend und etwas unschlüssig im raum standen, wurden spätestens beim set von yacht dazu animiert die muskeln in bewegung zu setzen. das berliner publikum ließ sich das auch nicht zwei mal sagen und so wurden die zum teil ausgefallenen tanzschritte von sängerin claire evans nicht nur wohlwollend aufgenommen, sondern auch hier und da in eigenregie nachgeahmt. nur das großzügige herumklettern auf der bühne, wie zum beispiel das erklimmen der von der decke hängenden lautsprecher, war dann nicht zur nachahmung empfohlen. wer sich von den synthielastigen klängen, zappelnden drums und schnittigen gitarren nicht ohnehin im laufschritt einfangen ließ, dem blühte in der zweiten phase der show der direkte draht zur band.

wieder einmal war es claire, die das zepter in die hand nahm, sich ins publikum begab, alles um sich herum mit guter laune ansteckte und zum weiteren tanzen animierte. selbst als die temperaturen immer weiter anstiegen, wurde die band nicht müde mit kleinen choreographien und flotten instrumentenwechseln die aufmerksamkeit auf trab zu halten. um zwischendurch doch einmal kurz zu verschnaufen, wurden kurze hintergrundinfos zur band optisch süß in einer kleinen dia-show verpackt und von sänger und multi-instrumentalist jona bechthold mit fröhlichen sprüchen belegt. ausufernde erläuterungen mussten nicht befürchtet werden, dafür schnappten sich alle mitwirkenden musiker lieber die instrumente und spielten sich durch ihr neuestes album "shangri-la". eine stunde lang währte das vergnügen bevor yacht in den backstage-hafen zurück schipperten.

mit washed out war das unterhaltungspulver zwar noch nicht ganz verschossen, aber zumindest etwas gedrosselt. dennoch ließ sich niemand innerhalb der wände des festsaals dazu verleiten die genre-bezeichnung chillwave allzu wörtlich zu nehmen. das ausgelassene tanzen wurde nur in einer anderen dimension fortgesetzt und wich einem beschwingten, gemütlichen hin und her wiegen. trotz der positiven resonanz des publikums fühlte sich ernest greene aber durch das gesamte konzert hin dazu ermuntert die erhitzten gesichter im scheinwerferlicht aufzufordern doch noch ein wenig mehr aus sich herauszugehen. eine bitte, der zwar permanent mit "c'mon!" rufen von seiten der bühne aus nachdruck verliehen wurde, die aber dennoch nicht so recht zünden wollte.

wirklich verdenken, konnte man es den zuschauern auch nicht, denn der sound hinterließ auch die meiste zeit über einen leicht wässrigen eindruck und gesellte sich zu der tatsache, dass sowohl für das ohr als auch das auge recht wenig passierte. potenzielle spannungsmomente verflüchtigten sich leider schon bevor sie auch nur ansatzweise etwas im leicht beliebig wirkenden set ausrichten konnten. vielleicht hätte man musikalisch eben jene augenblicke auch gar nicht so sehr vermisst, wenn nicht allen voran ernest greene ein wenig zu enthusiastisch in die keyboard-tasten gehauen hätte, als ob er ein ganzes stadion unterhalten müsste. dadurch geriet die eigentliche musikalische untermalung im vergleich zur angestrebten, aktiven performance zu fade und konnte letztendlich nur bedingt überzeugen. washed out wären an diesem abend wahrscheinlich viel lieber zu stimmungskanonen mutiert, vermochten es aber angesichts der allgemeinen, entspannten verfassung ihrer songs nicht diesem wunsch auch gerecht zu werden. schuster, bleib bei deinen leisten.

puschenfest.tumblr.com

04.08.2011 // annett
 

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