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MELT! Festival 201117.07.2011 // Gräfenhainichen – Ferropolis

das 14. mal melt!-festival. das persönlich 6. melt!-festival in folge. was bleibt? gewohnheit. denn man stellt fest, dass das festival in einen ruhigen hafen läuft. nicht im sinne der lautstärke sondern eher im bezug auf das ganze set-up. die bühnen fast wie ihm vorjahr, die organisation fast reibungslos und die band- und dj-auswahl gewohnt gut, angesagt, hip und mit den nötigen highlights an (alt)bekannten melt!-lieblingen. also der erwartete trubel im grellen laserlicht. es kann losgehen im raumschiff aus licht, stahl, werbebannern, techno, festivalliebhabern, indie, konsumopfern und see-atmosphäre – blinded by the lights.

MELT! Festival 2011

tag 1 läutet man am besten am strand ein. auch wenn das thermometer, die temperaturskala vom vorjahr einfach mal halbiert hat, schafft jamie woon zumindest eine leichte idee von sommerhafter abendstimmung zu geben. der junge engländer schlängelt sich fein mit disco, dubstep und r'n'b-anleihen in die menge und hebt mit seiner stimme die masse ganz leicht in die nacht. leider begleitet einen nicolas jaar von dieser wolke wieder auf den strand. der junge new yorker hat offensichtlich probleme mit dem bühnensound und drückt trotzdem beeindruckend sein programm durch. gleiches tun fm belfast auf der gemini-stage nur hier heißt programm abspulen 100% beste unterhaltung mit euphorie-garantie. die fünf isländer ziehen sich wieder bis auf die unterwäsche aus und bringen das zelt zum kochen.

MELT! Festival 2011

gespannt führt der weg zurück zum strand um dort apparat mit band inklusivem neuem album zu hören. enttäuscht von schlechtem sound und zuviel band im apparat geht die wanderung weiter zu den drums auf der mainstage. so interessant retro-amerkanisch und surfig diese band auch auf platte klingen mag, live kommt es immer rough und abgespult daher. ersteres ist live sicher ein guter aspekt, zweiteres wird auf der melt!-mainstage nicht erwartet. gleiches gilt auch an diesem abend für die zwei hauptacts elektronischer musik auf der hauptbühne: paul kalkbrenner und boys noize. zwei männer an ihren mischpulten, davor gefühlte 10.000 menschen und keine interaktion. ein dumpfes vor sich hin geschiebe ohne verbindung oder den versuch der kommunikation des protagonisten mit dem publikum. künstler wie z.B. aphex twin haben in den letzten jahren bewiesen, dass das auch anders möglich ist. daher zieht man lieber weiter in die wärme des intro-zelt, dort nimmt einen iron&wine kurz in die melancholischen arme des country-folks bevor an der big wheel stage radio slave, carl craig und gui buratto den schönen warmen ersten sonnenstrahlen die tür öffnen und eine frohe menge gen sleeplessfloor und zeltplatz schicken.

der bilderbuchsommerabend des zweiten tages beginnt mit andreas dorau. die alte rampensau steht mit schwarzem maßanzug und krawatte im gleißenden sonnenlicht und singt: "und das telefon sagt duuuuuuu". der haudegen aus hamburg wäre auch zu einem späteren zeitpunkt und vor größerer menge bestens aufgehoben gewesen. auf der big wheel stage begleitet ein weiterer hamburger namens lawrence mit seinem deephouse-set musikalisch die entwicklung des abendrots. sein label-kollege john roberts folgt ihm etwas uninspiriert während redshape aka palisade gewohnt mit gesichtsmaske (in diesem fall schwarz) seine düsteren aber tanzflächen tauglichen beats in die werdende dunkelheit legt. der berliner wäre zur nächtlichen zeit sicher sinnvoller plaziert gewesen, doch âme reißt die menge am techhouse-faden wieder nach oben und in der zwischenzeit strömen die massen schon gen mainstage zum letzten festival-auftritt ever (ever!) von the streets in deutschland. mike skinner legt gleich fulminant los, er steht singend auf den monitorboxen, zeigt ihn die menge und benutzt das wort melt! so häufig, dass die marketing-abteilung des festivals sicher stolz wie bolle ist. nachdem the streets das gesamte publikum einmal auf dem boden des ferropolis platz nehmen lassen um kollektiv wieder aufzuspringen ist das melt!-festival an einem seiner höhepunkte angelangt.

MELT! Festival 2011

wieder zurück im hamburger hafen aka big wheel stage dreht isolée in seiner symphatischen art microhouse und techno ineinander um vom klatschenden dj koze abgelöst zu werden. das tourettchen legt passenderweise einen streets-song in die wabernde masse und beginnt damit das beste dj-set der 14. ausgabe. metronomy und editors liefern beide das gewohnte und erwartete festivalkonzert ab und bringen eine kleine angenehme verschnaufpause bevor im intro-zelt der aufm splash! gebuchte überraschungs-act k.i.z. die hütte in brand steckt. die drei berliner kommen in ghostbusterkostümen und mit sturmmasken bekleidet auf die bühne, die am rücken befindlichen gasflaschen schießen rauch und konfetti in die menge. zusammen mit einer geballten ladung aggressiv ironischem deutschrap rastet alles vollkommen aus und zwischen bouncen, lachen und mitrappen werden dann zusätzlich geldscheine ins publikum geschossen. eine ansage im sinne von „keine macht den drogen“ wird niedergebuht, beim schlagerklatschen sind jedoch alle wieder mit dabei. die show, die tarek, nico und maxim da innerhalb von 45 minuten bieten vereint dann alles zwischen heftig und unglaublich lustig, so dass die nacht eigentlich gelaufen ist oder eben langsam ausklingen sollte. crystal castels schaffen es dank unglaublicher lautstärke und einem jammernden brei aus gesang und synthies die nacht früh für beendet zu erklären.

der sonntag beginnt vielversprechend mit dem wunderbaren josé gonzález. ein leichter regenschauer unterstützt nicht ganz freiwillig die melancholie und sanftheit in der musik des schweden. im zelt oder auf den stufen kauern sich die menschen in regelmäntel und unter schirmen zusammen und hören verträumt und auch etwas geschafft den „teardrops“ und „heartbeats“ zu. leider sollte der regenschauer bis zum ende des festivals nicht mehr aufhören und so wurde die nasse angelegenheit von der roten raupe unfreiwillig eher beendet als erwünscht.

MELT! Festival 2011

respekt sei denen gezollt die am dritten festivaltag weitere 5-6 stunden u.a. bei pulp, cold war kids und ben klock im regen verharrt haben. gewohnheit kann eben auch so etwas sein.

visuelle eindrücke vom 2. tage des melt!-festivals 2011 gibt es in einem fast 4-stündigen zusammenschnitt von zdf.kultur.

fotos von alexander gradl

17.07.2011 // bene
 

2 Kommentare

Oli am 20.07.2011 um 16:52 UHR

"leider sollte der regenschauer bis zum ende des festivals nicht mehr aufhören"

das stimmt nicht! Bei Pulp hat der Regen aufgehört...

bene am 20.07.2011 um 20:36 UHR

danke oli! ich hab andere informationen zugetragen bekommen, aber scheinbar scheiden sich da die feuchtegeister. wie hats dir sonst so gefallen?

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