finn.21.06.2011 // München – Ampere
seit mittlerweile zehn jahren versüßt patrick zimmer alias finn die stillen momente seiner hörer mit falsettgetragenen oden. über lo-fi und electropop kam er mit seinem dritten album zu reduzierten kompositionen, getragen von gitarre und gesang. auf seinem neuesten werk, 'i wish i was someone else', covert er sich nun in weiterhin minimalsten arrangements durch 40 jahre popkulturelle musikgeschichte, die, wie er selbst sagt, in einer „tour der selbstauslöschung“ live präsentiert werden wollen.
vor der bühne sind rot gepolsterte sitzreihen aufgebaut, in denen man bereitwillig bequem platz nimmt. es herrscht mehr konzerthaus- denn clubatmosphäre, ein rahmen, der finns musik wahrlich angemessen ist. er selbst nennt sich konzeptkünstler, und wer ihn bisher schon einmal live gesehen hat, wird sich einzustellen wissen: heute abend wird sowohl visuell als auch akustisch der fokus auf seinem neuesten werk liegen.
auf jedem seiner albencover wird die finn-grundfigur, ein gesicht aus ein paar wenigen strichen, neu verkleidet. zunächst war das ein kleiner junge im streifenshirt, dann hatte er plötzlich eine krone auf und trug puffärmel. sein neuestes cover ziert nun die form eines kopfes, aber ohne gesichtszüge: vorhin erwähnte selbstauslöschung, nicht zuletzt, da er an diesem abend fast ausschließlich werke andere künstler spielen wird: konzeptkünstler eben.
man hat das gefühl, zimmer zum ersten mal unverkleidet zu sehen. selbst auch viel im kreativen umgang mit dem design von kleidung beschäftigt, trägt er jeans und jeanshemd zu einen destinguierten herrenhaarschnitt, wo auf der letzten tour noch ein schwarz-weißer, mitteralterlich anmutender einteiler mit vorhin erwähnten puffärmeln zu bewundern war.
nur mit einer gitarre bewaffnet präsentiert er die größten hits der popgeschichte. tina turners 'private dancer' malt, von kitsch befreit, das bild eines pärchens, das sich an einem sonntag nachmittag tanzend im wohnzimmer dreht, natürlich nicht, ohne dass finn das nötige rahmenwissen gegeben hätte. vor jedem stück wird nämlich erläutert, aus wessen feder es stamme, garniert mit allerhand trivia. 'private dancer' stammt folglich aus der feder des dire straits-frontmanns mark knopfler, der das stück aber zu weiblich für sich fand und es deswegen an turner abgab. 'moon river', im original auf dem ersten prog-rock album der welt, nämlich king crimson's 'in the court of the crimson king', wird zur getragenen vertonung eines mystischen sonnenaufgangs – ganz klar, dass man hier zeuge eines großartigen musikers wird, der nicht viel braucht, um zu becircen. trotzdem betritt mitten im konzert der befreundete flo fernandez die bühne, um nach seiner humorvollen performance im vorprogramm das schlagzeug zu bearbeiten, eine pianistin im schlepptau. von da an hat man das gefühl, einem hausmusik-abend zu lauschen. das ursprünglich mit tocotronics dirk von lowtzow im duett gesungene 'crying in the rain' wird von fernandez und finn originaltreu dargeboten, die sich am ende sogar, so weit gehen die popkulturellen bezüge (man denke an britney spears und madonna), kurz küssen.
von den bequemen theatersesseln wird wild um zugaben geklatscht, und zum ersten mal heute abend kommen eigenkompositionen zu gehör. einer seiner größten hits, 'electrify' wird in ein akustisches gewand verpackt, 'wrong side' rührt mit seinem minimalismus, und 'a hotel for example' sowie 'to keep us busy for years' geben die ganz frühen anfänge mit seinem erstling 'expose yourself to lower education' zum besten. man ist gespannt, wie finn nun ohne sein alter ego 'finn' als patrick zimmer weiter musik machen wird, aber eines ist klar: mit diesem abend hat er nicht zu seiner selbstauslöschung beigetragen, sondern ganz zum gegenteil. he will be missed.





















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