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Battles11.06.2011 // München – Feierwerk

in puncto avantgardistische klangkaskaden stehen battles aus new york seit einigen jahren an vorderster front. mit 'mirrored' stellten sie 2007 einen monolith von einem debut in den raum, der john staniers unerbittliches schlagzeugspiel mit den absurdesten melodien und grooves verband; kurz gesagt, battles nahmen mit den mitteln einer band eine platte voller computermusik auf.

eines der tonangebenden elemente war dabei tyondai braxtons mitunter beängstigendes und beängstigend-verfremdetes organ, das hits wie 'atlas' so etwas wie eine hookline gab. nach seinem überraschendem ausstieg letztes jahr tilgte der rest der band jede von ihm aufgenommene spur auf der bereits fertigen platte und ersetzte sie mit eigenen ideen – ergebnis ist der gerade erschienene zweitling 'gloss drop', den es im münchner feierwerk vorzustellen galt.

bereits vor dem konzert wird der eine oder andere ins staunen geraten sein: eines der schlagzeugbecken hängt auf zwei meter höhe, scheinbar unerreichbar für den spieler – kenner von john stanier wird das nur ein schmunzeln abringen, gehört dies doch seit langem zu seinem markenzeichen. allerdings scheint sein diktat mittlerweile noch wildere blüten getrieben zu haben: gitarrist ian williams hat sich eine cowbell aufgehängt, natürlich auch auf dieser absurden höhe, und auch bassist dave konopkas mikrofon hängt um keinen deut tiefer. all das beweist eine der größen der battles: musikalisch wird zwar die ernsthaftigkeit eines künstlerkollektivs zelebriert, allerdings gewürzt mit einer gehörigen portion schalk im nacken und selbstironie.

eingeleitet wird das konzert vom 'gloss drop'-opener 'africastle': wuchtige gitarrenarpeggi aus loops und delay türmen sich auf wie ein bergmassiv, bis ian williams unisono auf gitarre und keyboard eine dieser battles-typischen, nicht nachzusingenden melodien anstimmt. prompt steigt stanier ein, konopka legt die gitarre beiseite und greift sich den bass, und das trio zaubert einen gewaltigen klangteppich, der die zuhörer fast zu erdrücken scheint.

mit 'sweetie & shag' und 'my machines' folgen bald darauf schon höhepunkte des sets: nach dem ausstieg ihres „sängers“ holte sich die band für vier stücke der platte vokalisten mit ins boot – da diese naturgemäß nicht immer mit auf tour sein können, sind zwei bildschirme im hinteren teil der bühne aufgestellt, die die vom laptop abgespielten spuren visuell untermalen. dabei hat sich die band große mühe gegeben: blonde redheads (http://blonde-redhead.com/) kazu makino und synthiepop-legende gary numan sind kunstvoll gefilmt, meistens im portrait, und singen fast autistisch abwesend in die kamera. das lässt nicht nur fast vergessen, dass da eigentlich kein echter sänger steht, sondern untermalt mit den künstlerisch teilnahmslosen gesichtsausdrücken einen eindruck, den die band auf platte, aber live noch umso mehr vermittelt: den der entmenschlichung.

battles klingen nicht nur auf ihren aufnahmen perfekt im takt und von ihrem geräuschpegel her wie eine maschine, auch live hat man nicht das gefühl, dem werk dreier menschen zu lauschen. stanier prügelt unerbittlich auf sein drumkit ein, dass einem angst und bange wird, während ian williams demonstrativ lässig einen kaugummi kaut und ständig daraus blasen macht – ein wenig verrückter mathelehrer. konopka gibt sich am nahbarsten, lächelt häufig bei liedbeginn plötzlich los, weil er sich so sehr an den eigenen stücken freut – und trotz der demonstrativen abwesenheit sind die drei extrem präsent und spielfreudig.

zwischen den liedern herrscht so gut wie nie stille, das etwas über einstündige konzert mutet an wie ein dj-set, ein song geht in den nächsten über und leiht diesem zeitweise rhythmus oder melodie. kein wunder, ist stanier doch bekennender technofan und dj. so schält sich auch die vorabsingle 'ice cream' aus den akkorden des vorgängerstücks, und als sie sich zu erkennen gibt bricht jubel aus. kompakt- und technokünstler matias aguayo schüttelt auf dem display sein chilenisches haupthaar, während er seinen herrlichen (wahrscheinlich) nonsense zum besten gibt, und auch wenn an dem abend keiner der hits des debuts gepielt wird, wird man zeuge einer der wohl besten und innovativsten bands zurzeit.

11.06.2011 // jakob
 

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