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Tied & Tickled Trio and Billy Hart01.06.2011 // Leipzig – Centraltheater

Falsch beschriftet: An diesem Abend spielt das Tied & Tickled Trio & Billy Hart, was insofern wichtig ist, als dass es dem Ensemble selbst wichtig erscheint. Da wäre zum einen die Position des Schlagzeugs, das in der hinteren Mitte der Bühne steht, und trotzdem von keinem Instrument zugestellt ist. Alle anderen Musiker und Instrumente versammeln sich in einem Bogen um den Sitzplatz Billy Harts. Auch seine Beleuchtung weicht das ganze Konzert über vom Rest ab, er schimmert etwa gelb auf, wenn alle anderen weiß angestrahlt werden. Wenn Billy Heart spielt, halten oft zwanzig andere Hände still und zehn Köpfe wenden sich einem einzigen Mann zu. Die des Publikums sowieso, man hat ja auch kaum eine Wahl: Er dirigiert unbewusst den Abend. Sein Gesicht spaßt, fordert, unterstützt, ermutigt und spendet Anerkennung.

Als die Gebrüder Acher in ihrer Schulzeit mit Johannes Enders noch vor The Notwist die Jazzgruppe des Tied Tickled Trios gründeten, hatte Billy Hart schon mit Größen wie Miles Davis und Herbie Hancock gespielt. Und an diesem Abend folgt ihm ein ganzes Ensemble, gebannt wie eine Schulklasse bei jeder Bewegung auf dem Schieferbrett, und die kleinen Jungen in ihren Mitdreißigern und Mitvierzigern freuen sich entsprechend, was für eine Perle sie sich da an Land gefischt haben. Aber die Perle freut sich auch, und so funkelt es auf der Bühne nur so hin und her, Musiker wechseln zwischen Instrumenten und lassen sich hinreichend Zeit für Soli, bevorzugt am Schlagzeug (guess who), Kontrabass und auch der Flöte. Getragen werden die Stücke von den für das Ensemble so signifikanten Bläsern: Bassklarinette, Saxophon und Trompete walzen die Stücke ins Euphorische. Das Publikum wirkt vorzüglich unterhalten, auch weil der Jazz, der gespielt wird, sehr organisch und eingängig ist. Er ist dabei weder klassisch noch kitschig. Es muss ein traumhafter Abend für Johannes Enders sein, der diesen Jazz genau so gewollt hat und dazu noch eine größe des stilbildenden Jazz in seiner Gruppe willkommen heißen darf. Die Danksagungen sind entsprechend gewichtet.

„Am Schlagzeug, Billy Hart.“ Er sagt es drei Mal. Billy Hart verbeugt sich tief. Elf köpfe drehen sich zueinander, und die Gesichter sprechen von tiefer Verbundenheit über die Musik hinaus. Das Publikum teilt diese Begeisterung gern. Jazz für die große Bühne: Große Kunst.

01.06.2011 // timm
 

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