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PeterLicht27.05.2011 // Leipzig – Centraltheater

PeterLicht und Leipzig schätzen einander gleichermaßen. Das merkt man zum Beispiel daran, dass seit geraumer Zeit sein Theaterstück „Das Abhandenkommen der Staaten“ auf der Theaterbühne der Leipziger Skala gespielt wird. Das merkt man zum anderen daran, dass sich der Saal am Ende seines zweistündigen Konzerts letzte Woche restlos von den Sitzen erhebt und stehend applaudiert. Und dass das Publikum bei aller Freude immer noch fähig ist, sich bei plötzlichen Pianostücken still zu freuen anstatt in das Lied hineinzustören. Oder man merkt es an dem „Dankeschön“ PeterLichts nach jedem Lied, das jedes Mal so klingt, als wollte er selber jubeln und klatschen angesichts der Stimmung im Centraltheater. Aber weil er sich natürlich selber nicht applaudieren kann, verpackt er die Freunde in diesem einen Wort: „Dankeschön“, dazu die Arme von der Hüfte vor die Brust über die Bühne streckend und die Freude in seinen zwei kleinen Fäusten ballend.

Und der Tag hat an diesem Abend mindestens 240 Stunden, also erstmal kein Ende, und tatsächlich werden all die Geschmäcker restlos bedient, für die Tanzhungrigen wie auch die Melancholiker, für die Gesellschafter und Getrennten sind gleichgroße Stücke vom Uhrkuchen reserviert. Ob allein mit der Gitarre über „Es bleibt uns der Wind“, in grenzenloser Euphorie am Mikrofon bei „Wir werden siegen“, in einem Tanzstil wie auf dem Laufband bei „Gerader Weg“, oder ganz mit sich allein bei den ersten Liedern seines neuen Albums, die Deutschland in ein schwarzes Loch des Wartens stürzen werden- „Das Ende der Beschwerde“ ist erst im Herbst in Sicht. Und breitet sich mit seinen gewaltigen Texten wie ein Lauffeuer zwischen den Ohren aus, und man wünscht sich so sehr, sie jetzt schon festhalten zu können.

Die grenzenlose Melancholie umschifft PeterLicht gekonnt, nur zwischen zwei Lachern, wo sie den meisten nicht auffällt, fragt er mit Vorlesebrille, wie viel es denn wert ist, so ein Menschenleben zwischen den vielen. Die Aktien seiner Seele sind mindestens für die Länge des Konzertes erheblich gestiegen. Sie wollen einander nicht verlassen, PeterLeipzig, aber irgendwann ist eben immer mal Schluss. Ein ganzes Publikum liegt wohl jetzt noch im Wachkoma. Zum Glück hatte jeder Getrennte eine Stuhllehne, an der er sich festhalten konnte.

27.05.2011 // timm
 

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