Tallest Man on Earth17.05.2011 // Hamburg – Uebel & Gefährlich
Kristan Mattson gibt sich also nach langer Hamburg-Abstinenz wieder die Ehre in der Hansestadt zu spielen. Der selbsternannte „Tallest Man on Earth“ gibt sich auf seinen Platten ruhig und verträumt, melancholisch und stellenweise gar zerbrechlich. Von diesem Bild kann man sich nach einigen Minuten jedoch schnell verabschieden, denn Mattson ist nicht nur ein Ausnahmegitarrist und ein Stimmwunder, sondern auch ein Entertainer, der sich auf der Bühne zu Hause fühlt.
Eröffnet wird der Abend durch die befreundete Band Francis, die bekannten schwedischen Indiepop zum Besten geben. Eine raue Frauenstimme trifft bei dieser Band auf Midtempo-Indienummern und von Beginn an lässt sich das sonst eher ruhige Hamburger Publikum mitreißen. Meine Zweifel, ob es sinnvoll ist die Menge auf einen Singer/Songwriter mit einer voll besetzten Band einzustimmen soll sich wie bereits angekündigt ziemlich schnell in Luft auflösen. Eine knappe dreiviertel Stunde wird gespielt, dann wird die Bühne geräumt. Ein Stuhl in der Mitte der Bühne, Gitarren en masse, Licht aus, Spot an.
Mattson erklimmt die Bühne und lässt sich gebührend vom fast ausverkauften Haus feiern. Als er die ersten Töne von „I won’t be found“ seines Erfolgslangspielers anstimmt ertönen erste Jubelschreie, die den ganzen Abend keinen Abbruch finden sollen. The Tallest Man on Earth stürmt mit seiner Gitarre über die Bühne, als würde er verfolgt werden, gestikuliert wild mit dem Publikum und penetriert stellenweise seine Gitarre als gäbe es keinen Morgen. Das auf den Alben Ruhige und Behutsame findet auf der Bühne des Übel und Gefährlich keinen Einzug und dennoch behalten die Songs ihren Charme und Charakter bei. Der Stuhl fungiert an diesem Abend nur als Deko-Element, setzt sich Mattson auf diesen immer nur für den Bruchteil einer Sekunde um dann wieder von Bühnenrand zu Bühnenrand zu hechten. Nach rund acht Songs stürmen auch Bassist und Schlagzeuger von Francis die Bühne um zwei Songs im Band-Gewand darzubieten. An dieser Stelle fällt auf, dass Mattson eben dieser gar nicht bedarf, schafft er es allein durch sein Gitarrenspiel und seine Stimme den Raum komplett einzunehmen. Nach knapp 1 ½ Stunden verlässt er die Bühne. Alle Evergreens sind gespielt, der Schweiß läuft ihm in Strömen von der Stirn. Nicht nur seine jüngste Veröffentlichung, sondern auch die ersten EP’s des Schweden finden an diesem Abend einen Platz und beim Publikum Gehör. Das Publikum verlangt mehr und so gibt es noch zwei Zugaben – eine davon mit einer mysteriösen Dame mit einer engelsgleichen Stimme - und der kleine Schwede bedankt sich anständig. Minutenlang hält der Apllaus an und hallt von den Wänden des Bunkers wieder.
Kleine Männer haben ja angeblich häufig Komplexe. Daher diese Bühnenpräsenz? Eine gewagte These, denn Mattson fühlt seine Musik, lässt sich durch seinen Körper sprechen und reist gerade deswegen das Publikum an diesem Abend mit. Ein Singer/Songwriterabend einer besonderen Art. Gerne wieder!





















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