kai uwe kolkhorst05.05.2007 // hamburg – astra stube
Für eine Handvoll Leute
Als ich in der Astra Stube unter der Sternbrücke ankomme, ist vor ihr mehr los als drinnen. Die Leute stehen herum und trinken ihr Bierchen. Verständlich bei der Wärme. Mitten im April eine warme Sommernacht. Das bemerkt man auch an der Besucherzahl. Es sind vielleicht 20 Leute vor der Astra Stube.
Um 22 Uhr geht es los.
Petula betritt die kleine Bühne. Diese ist bestellt mit elektrischem Gerät, einem Laptop und einer Menge Pedalen, mittendrin ein Sessel. Petula ist Sn Cleemann, aktives Mitglied des Berliner Musikerverbundes Sinnbus sowie der Bands Kate Mosh und SDNMT. Solo hat seine Musik allerdings nicht viel mit den Indie Bands zu tun.
Zärtlich mischt er die Drums vom Laptop mit den Loops und seiner Gitarre, spielt mit den technischen Möglichkeiten, Gesang zu bearbeiten und wirkt bei all dem sympathisch verwirrt.
Zugegeben habe ich keine einzige Ansage zwischen den Songs von ihm verstanden. Von der Aussage her jetzt. Das war sehr wirr. Sein Sound hingegen ist klar und schön strukturiert. Petula ist gut darin, eine stille Atmosphäre zu schaffen, die nicht beschwert, sondern in der man sich aufgehoben fühlt. Man mag einfach dasitzen und ihm zuhören.
Einziger Wermutstropfen seines Auftritts ist diese alberne Coverversion von Pony, dem HipHopHit des Rappers Ginuwine. Erstens ist die Sprechgesang- Performance schlecht, ein Misch aus Flüstern und Rappen in einer Tonlage, die einfach zu hoch für Petula ist. Genau so wenig wie der abgemischte Sound mit Tönen, die meinen Gehörgang beinahe zum Bersten bringen. Hoch und laut und schrill. Sehr unangenehm, das Ganze.
Ansonsten überzeugt Petula mit seinen gut durchdachten Musikstücken. Etwas übertrieben ist seine Zugabe nach den 1 1/2 Minuten Klatschen vielleicht dennoch. Und wieder so eine merkwürdige Ansage:" Ich habe noch zwei Nummern, die sind total witzig. Obwohl, die eine ist eigentlich witzig und die andere (kurze Denkpause) auch."
Danke für die Information, Petula!
Nach einer kurzen Pause kommt Kai Uwe auf die Bühne. Übrigens bekleidet mit einem Rote Raupe* Tshirt! Dabei hat er sonst nur seine Gitarre und der Drumcomputer.
Kolkhorst wirkt etwas mitgenommen, was wohl an seinem nächtlichen Aufenthalt auf dem Hannoverschen Hauptbahnhof liegt, während dem er anscheinend um sein Leben zittern musste.
Für diese fürchterliche Erfahrung legt er trotzdem ganz gut los mit Intercity Boy und liefert damit sofort den Beweis, dass er auch nicht mehr braucht, als seinen Drumcomputer und die Klampfe, um richtig los zu rocken!
Die paar Gäste, vielleicht noch 15 Leute, sind angetan, aber dennoch verhalten. Kolkhorst macht das nix, diese Art von Hamburgischer Extase kennt er bereits...
Was folgt, sind drei Stunden mit ein paar Songs und vielen Gedanken, Geschichten, angefangenen Sätzen und angetesteten Liedern. Kolkhorst kommt von Pontius zu Pilatus, redet sich manchmal um Kopf und Kragen und freut sich über den Zuruf aus dem Publikum: Mach Mukke, alter! Schnellstmöglich kommt er dem Wunsch für ein Stück nach. Um sich wieder zu verzetteln.
Er kommt auf den Sampler "Müssen alle mit 4" seines Labes Tapete zu sprechen, redet von seinen Erfahrungen als RocknRoller, wie er sich nennt, erzählt über Zürich, die Stadt, in der ausschließlich Nutten, Junkies und Banker leben. Laut Kolkhorst.
Dann erzählt er von seinem Auftritt in München und dass er dort keinen Song von Nirvana spielen durfte. Darauf hin spielte er einfach einen Song von Falko, der einen Song von Nirvana spielt. Fal Cobain ist geboren.
Was folgt ist tatsächlich eine Interpretation von einem Falkohit. Als Refrain singt er den von Nevermind. Und das ist in der Tat erstaunlich. Kolkhorst imitiert die beiden toten Stars so perfekt, das ist erstaunlich. Und macht Spaß.
Kolkhorst live macht Spaß. Es bringt ihm Spaß und dem Publikum meistens auch. Man verzeiht ihm seine Langatmigkeit und seine abgebrochenen Sätze, aber nach drei Stunden reicht es mir. Ich steige in den Bus und fahre noch einmal an der Astra Stube vorbei. Ein Blick in die großen Fenster und ich sehe Kai Uwe immer noch auf der Bühne stehen. Gestikulierend erzählt er… Und zwischendurch ein tolles Lied.





















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