The Green Apple Sea26.04.2011 // Nürnberg – K4 Zentralcafé
Eigentlich gilt bei Konzerten die einfache Faustregel: “Je später der Abend, desto bekannter oder wichtiger ist die Band, die auf der Bühne steht.”
Manchmal verhält es sich allerdings auch genau umgekehrt. Die überwiegende Mehrheit der Zuschauer dürfte wegen The Green Apple Sea den Weg ins Zentralcafé gefunden haben, was sich auch daran festmachen ließ, dass sich der Saal im weiteren Verlauf des Abends langsam, aber stetig leerte, bis schließlich nur noch ein paar wenige Musikfreunde vornehmlich an der Bar herumlungerten.
Ob die schleichende Fluktuation des Publikums am ausschließlichen Interesse am Auftritt der Lokalmatadore lag, an der mangelnden Qualität der nachfolgenden Künstler oder ganz andere Gründe hatte, wird sich wohl nicht mehr herausfinden lassen. Wobei: An der musikalischen Qualität wird es sicher nicht (nur) gelegen haben, denn sowohl The Fieros als auch Israel Nash Gripka mühten sich bei ihrem einzigen Deutschland-Konzert redlich, aber irgendwie wollte Nürnberg an diesem Abend einfach nicht so recht mit ihnen warm werden.
The Fieros aus Brooklyn schraubten die Lautstärke nach dem doch eher ruhigen Konzert von The Green Apple Sea ordentlich in die Höhe und lieferten ein kurzes, aber prägnantes Set mit polterndem, ungeschliffenem Indie-Rock wie aus den seligen 90er Jahren ab. Bei manchen Zuschauern kam das recht gut an, andere - wie das Pärchen mittleren Alters, das sich gegenseitig die Ohren zuhielt - schienen weniger mit den ungestümen Amerikanern anfangen zu können.
Eine Spur bedächtiger, aber immer noch ziemlich laut ging es danach beim mittlerweile ebenfalls in New York lebenden Israel Nash Gripka zu. Der robuste Songwriter wurde von einem Gitarristen und den Fieros als Backing Band unterstützt, was zur Folge hatte, dass meist vier Gitarren zu hören waren, was gemeinsam mit dem wuchtigen Schlagzeug zwar für satten Americana-Rock sorgte, aber letzten Endes viele Feinheiten und ganz oft auch die sehr schöne, ein wenig an Van Morrison erinnernde Stimme von Israel Nash Gripka untergehen ließ.
Aber zurück zu The Green Apple Sea: Eigentlich wollte die zumindest teilweise in und um Nürnberg beheimatete Band die Veröffentlichung ihrer schon seit längerer Zeit angekündigten neuen EP “Thank You Carter Cain, Farewell Northern Sky” feiern, woraus aber am Ende nichts wurde, weil die EP noch auf sich warten lässt. So blieb es bei einer laut Sänger Stefan Prange “perfekt durchgeplanten Rock-Show der alten Schule” mit Songs vom hervorragenden aktuellen Album “Northern Sky / Southern Sky” und ein paar Stücken vom 2007 erschienenen “Forever Sounds Great”.
In der “großen” Besetzung als Quintett mit Stefan Prange, der zwischendurch ein paar seiner launigen und sehr sympathischen Geschichten erzählte (zum Beispiel von seiner persönlichen Beziehung zur Zahl 666), Lena Dobler, Christian Ebert, Frank Theismann und Henrik Schoch entwickelten Stücke wie “Satellite Wings”, “Whale Watching”, “I Need You To Save Me Forever” und das neue “Farewell Northern Sky” ihr gesamtes, einnehmendes Potenzial. Unaufgeregtes Songwriting, maximal schöne Melodien und nahezu perfekter Harmoniegesang, für den andere Bands ihre Seele verkaufen würden - kein Wunder eigentlich, dass die meisten Zuschauer nur wegen The Green Apple Sea gekommen waren…





















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