ClickClickDecker07.04.2011 // Leipzig – Werk II
Wissen ist nicht unbedingt Macht, und manchmal hat man wesentlich mehr davon, ahnungslos durch die Welt zu laufen. Ein gutes Beispiel ist die Deutschland- Tour von ClickClickDecker. Am 1. April ist sein Live- Album erschienen. Wer sich das schon vor dem Konzert angehört hat, dürfte wesentlich weniger verzaubert sein angesichts des folgenden Abendprogramms.
Er dürfte nicht überrascht sein, als er dutzende Stuhlreihen im Werk II erblickt. Vor einer Bühne, auf der kein Schlagzeug steht. Nur Kevin Hamann und sein Gitarrist Oliver Stangl. Und ein paar Gitarren und elektronische Spielzeuge. Wer das Live- Album schon kennt, ist vielleicht einer dieser Menschen, die hinter den Stuhlreihen stehen und sich brüllend laut unterhalten, als wäre das nicht nur eines dieser raren Konzerte, die man nicht oft erleben darf, sondern ein Festival, auf dem man mit irgendeiner Band und ein paar Flaschen Bier die Zeit füllt. Ungeachtet dieser Störgeräusche brechen leise Vulkane auf der Bühne aus. Kevin schimpft, krächzt und krakeelt gewohnt angenehm umher, wie aus einem Nest gefallen und auf dem Weg dorthin zurück. Anders als gedacht, und manchmal sogar besser passt die Ruhe auf diese ungestüme Stimme, und wer bisher nicht erkannte, wie weh diese Texte eigentlich tun, der merkt es jetzt, wenn „Weil sie uns siezen“ gerade noch von einem Klavier begleitet wird. Wer das Live- Album schon kennt, singt jetzt vielleicht mit, wissend und selbstzufrieden. Der Rest schluckt da noch krampfhaft den Kloß im Hals hinunter. Und lebt jeden ungewohnten, neuen Moment des toursüchtigen Kaisers in seinen neuen Kleidern mit, der beinahe nackt da oben steht in seiner beeindruckenden Unerschütterlichkeit. Und wenn er sich dann mal wieder verspielt, trägt er den Fehler vor sich her wie einen Richtstab. Wer all das schon erwartet hat, für den mag es jedoch überraschend sein, wie viel schöner dieser Auftritt, den man ja eigentlich schon mal erlebt hat, mit Bildern vor den Augen noch gerät. Für alle anderen kann das Album nur noch als Erinnerungsmaterial dienen. Das wahre Erlebnis im Kopf ist „107 leider unvermittelbar.“, zwei Männer an einem Mikrofon, Freundschaft in wenigen Gesten gelebt.
Am Ende des Konzerts gar funkelt noch der „Sternenhimmel“ über die Bühne und weil man den am besten im Sitzen genießt, wird es schließlich doch noch angenehm still im Saal. Denn auch wer das Live- Album kennt, wird hier noch überrascht. Und merkt, dass er an diesem Abend mehr erlebt hat als nur einen Zeitfüller.





















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