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Nils Frahm & Peter Broderick05.04.2011 // Nürnberg – Neues Museum

Das Untergeschoss des Neuen Museums in Nürnberg ist eine beeindruckende Kulisse für ein Konzert. An drei Seiten von kahlen, hoch aufragenden Betonwänden begrenzt, könnte der Veranstaltungsraum unter Umständen glatt an eine Mischung aus Kletterhalle und Luftschutzbunker erinnern - wären da nicht das warme, rote Licht und die vielen Zuschauer (hier trifft der abgedroschene Begriff “bunt gemischtes Publikum” tatsächlich mal zu), die sich anlässlich der mittlerweile vierten Auflage der hervorragenden Konzertreihe “across.” eingefunden haben.

Der junge Songwriter Sam Amidon war bereits zu Gast, ebenso Christy & Emily aus Brooklyn und der Gitarrist James Blackshaw. Große Namen, aber mit Nils Frahm und Peter Broderick, neben Olafur Arnalds und Owen Pallett momentan wohl die beiden Künstler, die am brillantesten die Grenzen zwischen Pop und Klassik verschmelzen lassen, erreicht “across.” einen neuen Höhepunkt, der in Zukunft nur schwer zu übertreffen sein dürfte.

Den Abend eröffnet zunächst der aus Hamburg stammende, mittlerweile in Berlin beheimatete Pianist Nils Frahm, der - zumindest, wenn er alleine agiert - tatsächlich eher der E- als der U-Musik zuzurechnen ist. Seine weit verästelten Kompositionen leben von ihren plötzlichen Wechseln in Tempo und Lautstärke ebenso wie von ihren klug aufgebauten Spannungsbögen. Gegen Ende des zweiten Stücks gesellt sich Peter Broderick, der Nils Frahm im weiteren Verlauf seines Konzerts an Geige und singender Säge unterstützt, mit ans Klavier und spätestens, als die beiden dann vierhändig spielen, ist alles bereitet für einen fast magischen Konzertabend.

Nach dem Set von Nils Frahm und einer kurzen Pause darf dann schließlich Peter Broderick aus Portland auf die Bühne. Den jungen Amerikaner irgendeinem Genre zuordnen zu wollen, ist angesichts seiner überbordenden Kreativität schier ein Ding der Unmöglichkeit. Oft streift Peter Broderick mit seinen vielfach geloopten Klangkunstwerken zwar folkigere Gefilde, driftet dabei aber nie ab in langweilige Singer/Songwriter-Gemütlichkeit, sondern bleibt immer verspielt (etwa, wenn er mit seiner Geige den gesamten Raum durchwandert) und innovativ.

Wie im ersten Teil des Konzerts auch kommt später Nils Frahm hinzu und gemeinsam verabschieden sich die beiden mit einer herausragenden Version von “Hello To Nils”. Danach geht es hinaus ins nächtliche Nürnberg und fast fühlt man sich dabei, als käme man gerade aus einer ganz anderen Welt…

05.04.2011 // christoph
 

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