The Low Anthem 21.03.2011 // Berlin – Passionskirche
eine kirche ist nicht unbedingt für jede band die passende spielstätte. für the low anthem, hingegen, könnte die wahl des konzertortes mit der berliner passionskirche aber nicht treffender gewählt worden sein. wo sonst aufmerksam dem gottesdienst gefolgt wird, lauschten am besagten abend die ohren des zahlreich erschienenen publikums fast schon andächtig den songs von the low anthem. aber auch ihrem support the head and the heart wurde ein überaus freundlicher empfang beschert. überhaupt gestaltete sich der abend mit beiden bands zu einer sehr stimmigen symbiose von handgemachter musik, deren wirkung sich in beiden fällen direkt von der bühne aus auf den zuschauerraum übertrug.
das aussehen von the low anthem erinnerte im ersten moment nicht an den feinen anzug zum kirchengang, denn das quartett bevorzugte sich unabhängig vom ort des geschehens nicht in schale, sondern in bequeme klamotten zu schmeissen, wobei sie mit den zerknitterten hemden, den zerbeulten jeans und den leicht zerzausten haaren ein wenig nach wandertruppe aussahen. eine nebensächlichkeit, die jedoch keinerlei einfluss auf die musikalische darbietung haben sollte, denn diese stand ungeschlagen im mittelpunkt des abends. ganz bescheiden scharte sich das quartett beim opener "ghost woman blues" eng um ein altes mikro, das schon vieles durchgemacht zu haben schien, nur die akustikgitarre durchbrach die stille und wurde vom harmonischen gesang begleitet, dessen wohltuender klang sich wunderbar bis in alle winkel der kirche ausbreitete. auch die band selbst nahm im weiteren verlauf des konzerts den bühnenraum mehr und mehr für sich in anspruch, wechselte geschwind zwischen diversen instrumenten wie schlagzeugt, kontrabass, trompete, harmonium, geige, banjo, gitarre oder auch klarinette hin und her und deckte auf hohem niveau ein klangliches spektrum ab, welches gleich von beginn an viel versprechende formen annahm.
angesichts der großen vielseitigkeit blieb die in den bandmitgliedern geweckte spielfreude auch auf seiten des publikums nicht unentdeckt. desöfteren wurde man zeuge verschmitzter blicke, die sich die band untereinander zuwarf und man vermutete an einigen stellen fast, dass das schlagzeug sich irgendwann selbständig machen würde, weil es unter dem munteren spiel von jeff prystowsky hier und da drohte einen gewaltigen hüpfer vorwärts zu machen. nur mithilfe eines pflastersteins konnte die lauernde wanderung hin zur bühnenmitte gebremst werden. dem sehr ausgelassenen beifall nach zu urteilen, wollte sich auch das dicht in die kirchenbänke gedrängte publikum nicht in seiner zuneigung bremsen lassen und so erschienen the low anthem aus rhode island gleich für mehrere zugaben zurück auf der bühne. selbst ben knox miller, der beim singen mit meist zugekniffenen augen seine konzentration festhielt, erlaubte sich gegen ende die klangliche weite in den kirchenmauern mit den eigenen augen wahrzunehmen und ließ seinen blick bis zur decke schweifen. the low anthem vermochten es mit ihren songs den zuschauern einige unvergessliche augenblicke zu bescheren und riefen gegen ende des sets mit viel herzlichkeit in die runde, dass sie ebenfalls noch lange an diesen abend denken würden während das scheinwerferlicht rundherum strahlende gesichter zum vorschein brachte, die eigentlich schon mehr als genug über den gerade zu ende gegangenen abend aussagten.





















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