Young Rebel Set27.03.2011 // München – Atomic Cafe
seit einiger zeit erfreut sich folk eines großen revivals, was nach großartigen alben dieses genres, etwa von den fleet foxes, bislang im durchschlagenden erfolg von mumford & sons kulminierte. plötzlich sind auch instrumente und rhythmen des country nicht mehr geächtet, banjo und mandoline stehen gleichberechtigt neben gitarre und bass. die wohl am ursprünglichsten klingenden vertreter diese genres, young rebel set, schicken sich nun an, anfang april ihr debut zu veröffentlichen. einen vorgeschmack auf ihren ersten longplayer gaben sie letzten sonntag im brechend vollen atomic café.
der guardian nennt sie „roh und wahrhaftig“, der nme spricht von „lebensbejahendem hemdsärmelrock“. tatsächlich erfüllt die band schon zu beginn des konzerts rein äußerlich mit tanktop und karohemden jedes klischee einer farmer-band, die sich allerdings hosen und schuhe bei den libertines ausgeliehen hat. und wo sich auf festivals vier leute auf einer hundert meter breiten bühne verlieren, passen die nordengländer im atomic café gerade noch so darauf: sonst sogar zu siebt, quetschen sich die sechs bandmitglieder aufs podest, und david coombe, früher „freund“ der band und mittlerweile wohl mitglied, sammelt sympathiepunkte, indem er das ganze konzert über nur mundharmonika spielt, wenn er nicht von den anderen vier saiteninstrumenten übertönt wird.
bereits in den ersten takten wird bereits der ton für den gesamten abend angeschlagen: das schlagzeug rumpelt und holpert klassische country-rhythmen und der rest der band spielt derart engagiert gitarre und bass, dass man sich, komplettiert durch matty chipchases beherzten gesang, sehr schnell auf ein freiluftkonzert im staubigen texas versetzt fühlt. die marschrichtung der ersten stücke, eindeutig schnell und direkt, zaubert dem publikum kollektives lächeln ins gesicht, und mit jeder minute wippen mehr füße mit. wirklich erstaunlich ist, wie viele leute diese band live anzieht, obwohl das debut-album erst noch in den startlöchern steht - wäre es schon erschienen, so viel kann man sicher sagen, wäre der publikumschor gewaltig. sieht man die sechs mannen allerdings live, vergeht einem das ungläubige staunen: was hier präsentiert wird ist eine unglaublich professionell spielende band, die von chipchases perfekt räudigem gesang über die groovende rhythmussektion bis hin zu den fein ziselierten gitarrenarrangements schon beim ersten hören direkt ins bein geht.
ein großer grund für diese eingängigkeit ist natürlich auch, dass das rad hier keinesfalls neu erfunden, sondern sich auf erprobte regeln, harmonien und melodieführungen der altmeister (young rebel set berufen sich auf johnny cash und bob dylan) verlassen wird. der zweite song von konzert und platte, „fall hard“, ist in seiner akkordprogression und gesangsmelodie, die von dylans allzeit-hit „like a rolling stone“ entliehen ist, hart an der grenze zum plagiat, und die akustikgitarre hält sich sehr streng an die vorgaben des genres - allerdings ist country als musikrichtung von natur aus das metier der traditionalisten, und young rebel set bauen diese blaupausen so klug zusammen, dass man selbst als avantgardist nicht umhin kann, von der spielfreude und professionellen, einfach musikalischen darbietung der stücke angesteckt und mitgerissen zu werden.
den höhepunkt des abends stellt der bisher größte hit der band „if i was“, eine aufrichtig-humorvolle liebeserklärung, in dem chipchase lamentiert: „i wish i never learned to play the notes“. die folgenden stücke, etwa „bagatelle“ oder „rosie“ ('this is a song about a german girl!'), zeigen die ruhigere seite der band, die sich auch mal nachdenklicher und weiter präsentiert. besonders zu erwähnen sei gitarrist paddy jordans grandioses pfeif-solo in eben erwähntem „bagatelle“, das verdeutlicht, mit wie wenig gute musik gefangen nehmen kann (in diesem fall nur gitarre und jordans meisterleistung, die sogar szenenapplaus erntet).
im gegensatz zum synthesizer-getriebenen indie dieser tage wird bei einem konzert von young rebel set klar, dass nach überproduktion und reinem schielen auf den tanzfloor die längst überfällige kreativitätsspritze für das über-genre indie aus dem lager des klassischen folk und (alt-)country kommt – weniger bahnbrechend neues, dafür aber klassische formen, an denen man sich am lagerfeuer wärmen kann.
2 Kommentare
Nummer Neun am 06.04.2011 um 08:21 UHR
Stimme zu, schöner Bericht. Und das ist eine gute Nachricht, wenn das Album wirklich im April endlich mal erscheint :)
Zu 6. auf der Atomic-Bühne sah es schon ein wenig nach Käfighaltung aus
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Summer am 03.04.2011 um 01:54 UHR
Guter Bericht! Aber ein kleiner Fehler, Paddy Jordan ist bei der Tour nicht dabei gewesen und wenn ich mich richtig erinnere ist es Mark Evans, der bei Bagatelle seinen Pfeif-Einsatz hat.
Cheers!