EfterklangLeipzig, Central-Theater

von Timm Hergert · 13.03.2011

Did I tell you how I got struck by lightning seven times?

Eins. Wir betreten das spärlich erleuchtete Central- Theater, leicht verspätet und außer Atem. Es ist nicht ein einziger Sitzplatz mehr frei, man führt uns hinter die letzte Sitzreihe, wo noch einige andere Gestrandete stehen. Ein Mädchen leuchtet sich selbst mit ihrem Handy an, damit wir nicht auf sie treten.

Zwei. Vor der Bühne hängt eine riesige Leinwand, auf der ein Film gezeigt wird. Ein im Dunkeln liegender Bauernhof ist zu sehen, nur das Tor der anliegenden Scheune ist schwach erleuchtet. Die Kamera bewegt sich langsam auf das Licht zu, nach und nach sieht man Leute in dem Raum auftauchen. Sie stehen in einem Kreis um eine Gruppe Menschen herum, die Musik machen. Der Name dieser Gruppe ist Efterklang. Nach wenigen Minuten wird klar, dass der französische Regisseur Vincent Moon hinter der Kamera steht. Zu unverkennbar sein sein Auge für scheinbar Nebensächliches und seine Perspektiven, die Zeugnisse einer hohen emotionalen Intelligenz ablegen. Er setzt Efterklang an sehr unterschiedlichen Orten in Dänemark in Szene, mal mit einem Kinderchor in einer Turnhalle, mal mit dem Bus in einem Laubwald. Das letzte Lied des Films wird in einem Konzertsaal gespielt, während hinter der Leinwand verlassene Instrumente angestrahlt werden, und man erwischt sich immer wieder beim Versuch, einen Blick unter die Leinwand zu werfen, ob die Band nicht doch schon auf der Bühne steht und den Film live vertont.

Drei. Licht an. Orientierung weg. Menschen stolpern auf Toiletten, lachen hysterisch. Die Glocke klingelt. Kurze Diskussionen: Film und Konzert am selben Abend, das kann doch nicht gut gehen. Eins von beiden wird im Vergleich doch abfallen. Die Glocke klingelt, die Glocke klingelt. Menschen lassen sich in ihre Sitze fallen, zu diesem Zeitpunkt noch gern.
Die Glocke klingelt, die Glocke klingelt, die Glocke klingelt.

Vier. Step aside- and look at what the light did now! Efterklang betreten eine abgedunkelte Bühne und schleifen das Licht hinter sich her. Mal kommt es von der Seite und lässt keinen Ursprung erahnen, mal strahlt es die sieben Musiker von Stellen an, von denen unmöglich Licht kommen kann, mal ist es derart stark, dass man die Band so sehr dahinter verschwindet, man kann sie nicht einmal mehr schemenhaft erahnen.

Fünf. In den Rauchschwaden treten Schwärme wilder Tiere auf. Umrisse brüllender Bären und bedächtig flatternder Eulen huschen über die Bühne. Schatten brechen hektisch aus den Musikern heraus, als wollten sie sich von ihnen losreißen- oder ist alles nur Einbildung? Deutlich zu sehen sind hingegen die Doppelgänger der Musiker, sie bevölkern die Wände des Theaters und spielen ein unheimliches Parallelkonzert.

Sechs. Heller als all diese Lichtgestalten leuchtet nur noch die Musik durch den Saal. Lieder wie „Caravan“ strotzen so voller Kraft, dass sie kaum noch wiederzuerkennen sind. Sänger Casper Clausen strahlt über das ganze Gesicht, und die Freude der Band an ihrer Musik gibt dem ersten Deutschland- Konzert der Tour den Rest. An diesem Abend stimmt wirklich alles, und das merkt man nicht zuletzt am sonst verhaltenen Leipziger Publikum,das sich zum Schluss noch für mehrere Lieder aus den samtenen Sitzen reißt und tanzt, schreit, klatscht- und eine ganze Minute still halten kann, als die Band bei ihrem letzten Lied urplötzlich verstummt. Dies ist die größte Geste, die das Publikum leisten kann, der lauteste Applaus. Und den haben sich Efterklang an diesem langen Abend schon mit den ersten Tönen und Schatten erspielt- als eine der besten Live- Bands, die es derzeit gibt.

Sieben. Das (andere) Licht geht an. Menschen strömen widerstrebend aus dem Saal. Jemand hat noch etwas verloren und sucht mit einer Stirnlampe zwischen den Sitzen. Die Lichtstrahlen wachsen wie Äste an der Wand entlang. Vor dem Konzert hätte man das vielleicht gar nicht wahrgenommen.

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